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Impressions and thoughts about a lunch date with Julian Assange and Slavoj Zizek

August 21, 2011

On July 2 I met a very pleasant Julian Assange full of wit as well as a lively and charming Slavoj Zizek. As special and lovely this day was it could not ease my anxiety about the future of WikiLeaks and Julian Assange.

His devotion to the idea of confronting the world with the mirror of truth, with all the harsh personal consequences, is admirable.
As noble as this goal might be, we should never loose sight of the individual human being. Every life is valuable and worth to be protected.

But we all are caught in the Zeitgeist and affected by mechanisms that force on us a sort of perpetual crisis which undermines our autonomy and in dealing with it makes us blind for the really important objectives of life. More is at stake than only turning problems in our comfortable rooms.

We accept to be governed by a mere scenery of politics. Also the strong and powerful fall victim to its pitfalls with their strategy of betrayal on themselves and on us in order to shackle us in a texture of fear and self-deception.

It almost seems the world would destroy us in order for us to destroy her. But not even the deepest pain could change this although our longing for humanity is inherent in our existence.
In spite of this our helplessness alienates us from history. Most of the people remain in a state of silent hope. Some are led to total self-sacrifice, which ends intellectually in eternal paradise.

In comparing our greatness with the greatness of our perceived enemies we paint the world in the colours of violence who’s ghosts haunt us from generation to generation. Even if our destiny plays tricks with us, we are not meant to carve out a miserable existence.

Our thoughts and deeds are only meaningful if we find the courage against all odds to go beyond the logic of war and violence, even if we are burnt by it.

Those who are willing to take the risk of investing their life to reveal the structures of power and brutality and to give this bleeding wound a face in order to make healing possible are the true optimists. The true cynics are those who want to make us belief in the necessity of war to keep the peace or who want to decree the consumption of media entertainment.

For Julian Assange it may be a curse or/and a blessing that he reached a position where he is heard.

Once again in other words.

On the 2nd of July I met a charming and thoughtful Julian Assange and a very funny and intelligent Slavoj Zizek.
As much as I enjoyed this day I started to worry about the future of WikiLeaks and Julian Assange.
The impact of his devotion to the truth, even if he is threatened with personal consequences, is admirable.

We must never forget the importance of every single human being.
Its uniqueness is worth fighting for.
Even if we find ourselves overruled by mechanisms of Zeitgeist we have to fight for our autonomy that can unveil our temporary blindness for what really matters, the essence of humanity.

There is more to do then to contemplate our problems in secrecy.
Politics try to threaten us with their means of power and deception and it is easy to feel overpowered by it and to give in.
A feeling of helplessness surrounds us and leads either to an uncontrolled act of violence or to self sacrifice.

There is more in our lives than just to live it, live it by the rules of politics.
We must force our thoughts and our will to break through the patterns of war, violence and injustice.

The ones who lead us to the path of civil disobedience, without fearing repercussions by the law, are the real true optimists.
Those who entertain us with meaningless media products are cynics as well as all who make us belief that peace is only possible if we fight wars to protect our globalized standarts.

Julian Assange is a truthful optimist, giving people hope, clarity and perspective within the jungle of globalized powers and fears.

Therefore I would really like to support his work with all my power and skills.

I wish Julian Assange and his entire team at WikiLeaks strenght, preserverance and luck.

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Wikileaks-Depeschen

Mai 25, 2011

Es ist schon ein halbes Jahr her, als Wikileaks in Zusammenarbeit mit dem Spiegel, der New York Times, dem Guardian, Le Monde und El País durch die Veröffentlichung vertraulicher und geheimer Botschaftsberichte aus aller Welt eine scheinbare Zerreißprobe auf dem politischen Parkett hervorrief, von einem Super-GAU der Diplomatie und einer Bedrohung der internationalen Sicherheit war die Rede.
Die Reaktionen, vor allem die der USA, waren extrem ungemütlich, die Methoden von Wikileaks wurden als kriminell eingestuft, speziell Julian Assange wurde mit einem Terroristen gleichgesetzt. Auf deren wahrscheinlichen Druck wurde auch die Kooperation von Wikileaks mit Matercard, Pay Pal und Amazon kurzfristig gekündigt. Plötzlich war vergessen, dass gerade Demokratien die Publikationsfreiheit als ein Menschenrecht zu schützen haben und Journalismus die Aufgabe hat, den Staat zu kontrollieren, um dadurch eine Öffentlichkeit herstellen, die für eine Demokratie zwingend notwendig ist.
Doch nun stellte sich heraus, dass der Staat versuchte, sich über seine Bürger zu stellen und der Schutz dieser Dokumente und Zeugnisse über staatliches Handeln wichtiger zu sein schien als das Anrecht der Bürger auf freie Information. Die US-Administration hatte sich seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion in eine Geheimniskrämerzentrale gewandelt, die Prioritäten lagen eindeutig auf den militärisch-geheimdienstlichen Kapazitäten, zur Zeit der Regierung von George W. Bush schrumpfte die Diplomatie auf ein Mindestmaß und die Diplomaten erfüllten eher Hilfsdienste als Laien-Spione. Erst mit der Präsidentschaft von Barack Obama änderte sich dieser Zustand, Diplomatie war wieder gefragt.
Aber es gibt immer noch viele Geheimnisträger, immerhin hatten 2,5 Millionen Beamte Zugriff auf diese ca. 250 000 nun veröffentlichten Dokumente und es gibt allein 854 000 Geheimnisträger in den USA, so dass es nicht verwundert, wenn jemand auf die Idee kommt, dieses Herrschaftswissen den Bürgern preiszugeben. Zumal dadurch erst klar wird, wie sehr jenes Wissen dem Halb- und Unwissen ähnelt, abgesehen von einigen wirklich wichtigen und auch skandalösen Offenbarungen. Oft ist es der üblich etwas bösartige Klatsch und Tratsch, von dem man amüsiert zur Kenntnis nehmen kann, was man eh schon ahnte.
Zum Beispiel, dass Angela Merkel, die Teflon-Kanzlerin, das Risiko scheut und eher nicht kreativ ist, ihr Mitstreiter Guido Westerwelle inkompetent und eitel ist, Nicolas Sarkozy einem Kaiser ohne Kleider gleicht, Wladimir Putin der Alpha-Rüde im Gespann mit dem eher blassen Dmitri Medwedew ist, ein aufgeblasener Silvio Berlusconi wilde Party veranstaltet, Recep Erdogan eigentlich ein korrupter Islamist ist, der schwache Hamid Karzai sich mit Paranoia und Verschwörungstheorien herumplagt und sich ebenfalls mit Korruption tröstet, Kim Jong-il nur noch ein schlaffer alter Kerl ist und Mahmud Ahmadinedschad sogar das Böse in Form eines neuen Hitlers verkörpert. Der Geisteszustand mancher Politiker wird doch mitunter arg in Frage gestellt, so zweifelte auch Hillary Clinton an der Zurechnungsfähigkeit der argentinischen Präsidentin Cristina Kirchner und die europäischen Staatsoberhäupter buhlten wie die Kinder um die Gunst und ein Treffen mit Präsident Barack Obama.
Eine Blamage für die US-Regierung dürfte die Anordnung des Außenministeriums zum Ausspionieren der Mitarbeiter der UNO sein. So wollte man alles über die interne Kommunikation und die Sicherheitsmaßnahmen wissen. Sogar Passwörter, Kreditkarten- und private Telefonnummern, persönliche Codes für Verschlüsselungen und biometrische Daten waren von großem Interesse. Außerdem versuchte die US-Regierung ihre Guantanamo-Häftlinge gegen ein Kopfgeld und anderweitige Versprechen ins Ausland zu verfrachten. Saudi-Arabien machte sogar den Vorschlag, diese ehemaligen Häftlinge dann mit einem Mikrochip zu versehen, um sie weiterhin kontrollieren zu können.
Sehr kritisch gesehen wurden die Türkei, mit ihrem ausgeprägten Hang zum Islamismus und dem osmanischen Minderwertigkeitskomplex, Russland, mit seinen mafiös kleptokratischen Strukturen, seinen dubiosen Waffenlieferungen und dem Kalter-Krieg-Gehabe und vor allem China, die undurchsichtige gefährlich erstarkende Macht, die Nordkorea erstaunlicherweise weniger unterstützt als gedacht und eine Wiedervereinigung mit Südkorea nicht ausschließt.
Besonderes Augenmerk gilt dem Nahen und Mittleren Osten, Jemen, wo sich al-Qaida immer mehr ausbreitet und die Anti-Terror-Hilfe für den mörderischen Kampf gegen Aufständische missbraucht wird, deren Regierung auch schon mal US-Angriffe als eigene Attacken ausgibt, Irak, wo die Amerikaner komplett gescheitert sind und sich zwischen den Machtkämpfen von Sunniten und Schiiten verheddert haben, so auch im Nahost-Konflikt, in dem die USA hilflos zusehen, wie alle Seiten tricksen und sich die Lage trotz erheblicher finanzieller Spritzen nicht ändert, Pakistan, das als ein atomar bewaffneter Staat äußerst labil agiert, weil die Militärs und die Geheimdienste ihre eigene Politik auch gegen amerikanische Interessen betreiben und die Sorge um das nukleare Material und eine mögliche schmutzige Bombe immer größer wird. Und dann insbesondere Iran, um dessen vermutlich weit entwickeltes Atomprogramm, was vor allem die arabischen Staaten in regelrechte Panik versetzt.
Diese haben eine so alptraumhafte Angst, ein atomar bewaffneter Iran könnte ihre Scheichtümer und Königshäuser politisch und militärisch kontrollieren, dass sich die Staaten dieser Region mit amerikanischen Waffen und Abwehrraketen regelrecht zuschütten. Auch die Israelis entwerfen regelmäßig Horrorszenarien, ab wann der Iran in der Lage wäre, die Bombe wirklich zu bauen, um sich dann ihrerseits alle Optionen für einen militärischen Einsatz offen zu halten. Von diesem Konflikt profitieren besonders Russland und China, die sich das Unterlassen von Geschäften mit dem Iran, sei es in nukleartechnischer oder in ölunternehmerischer Hinsicht, teuer bezahlen lassen.
Aber auch die Amerikaner wissen ihre dortige Stellung durch die regionale Instabilität zu nutzen. Massive Schutzvereinbarungen auf militärischer und infrastruktureller Basis, zementieren die amerikanische Weltmachtsäule, auch wenn die US-Regierung durch ihre zwanghafte Energiesicherungsfixierung auf das Öl mitunter zum Spielball unterschiedlicher Interessen und Feindschaften zwischen Arabern und Israelis, Islamisten und Säkularen wird.
Schließlich müssen auch die US-Diplomaten so manchen zwielichtigen Despoten umgarnen, um an das Schwarze Gold zu gelangen und das ohne nur irgendeine Rücksicht zu nehmen auf die klimaschädliche Wirkung dieses Rohstoffes. Denn allen verheerenden Witterungsprognosen zum Trotz wurden die Europäer auf dem Klimagipfel in Kopenhagen von den USA und China gründlich über den Tisch gezogen, um einen nur unwesentlich funktionierenden Minimalkonsens über die Beschränkung von Treibhausgasemissionen auszuhandeln.
Angesichts dieser Datenfülle aus den Depeschen wird wieder deutlich, was sowieso kein Geheimnis ist, das Geschachere und Gerangel unter den Politikern und Diplomaten wirkt mitunter kleingeistig und auch lächerlich, wenn es nicht so ernste Folgen hätte. Man darf durchaus spekulieren, ob es eine Koalition der Willigen für den Irak-Krieg gegeben hätte, wenn genaue Informationen über die nicht vorhandenen Massenvernichtungswaffen rechtzeitig publik gemacht worden wären.
Auch mittels Wikileaks könnte eine größere Hoffnung bestehen, dass durch Transparenz und Wahrheit ein friedliches Miteinander eine reale Möglichkeit erhält, in einer Welt, in der die Mächtigen nicht mehr tun können, was sie wollen. Wahrheit bedeutet aber auch Verantwortung für jeden Einzelnen, weshalb sie so gefürchtet wird, jedoch sich dieser Furcht zu stellen, lohnt sich.

Wikileaks-Afghanistan

Mai 20, 2011

Als vor 10 Monaten die fast 92 000 geheimen Dokumente über den Krieg in Afghanistan durch die Internetseite Wikileaks an die Öffentlichkeit gelangten, bestand die Hoffnung, dass durch die bloßstellende Beschreibung der alltäglichen Brutalität dieses Krieges eine größere Aussicht besteht, diesen Konflikt möglicherweise schneller zu beenden. Vor allem Julian Assange und seine Mitstreiter äußerten sich in diese Richtung, dass sich durch jenes schonungslose Kriegstagebuch mit seinen schockierenden Einzelheiten die öffentliche Meinung dahingehend verändern würde.
Doch das war leider ein gewaltiger Irrtum, es änderte sich gar nichts. Außer einem kurzen medialen Aufschrei, ging der mörderische Schrecken weiter in einem Land, welches in der Geschichte noch nie besiegt werden konnte.
Nicht der Ruf nach Gerechtigkeit, sondern die Logik der Gewalt brachte die Westmächte dazu, nach der erlittenen Demütigung durch den größten Terroranschlag in New York und Washington, sich mit aller militärischer Wucht auf Afghanistan zu stürzen und speziell auf die Terrorlegende Osama bin Laden, seinem al-Qaida-Netzwerk und die Taliban.
Lange hatten die USA gezielte Tötungen geheim gehalten, diese Drecksarbeit gehörte zu den dunklen Geheimnissen der Task Force 373, eine Truppe von Elitesoldaten, ein Teil davon sind auch die nun zu Weltruhm gekommenen Navy Seals. In den internen Papieren konnte man nachlesen, wie die Jagd auf Aufständische und die sogenannten Top-Tabilban funktionierte, die Anweisung für das Eliminieren der Feinde kam direkt aus dem Pentagon, manchmal traf es allerdings auch Unschuldige.
Aber spätestens mit der Tötung Osama bin Ladens wurde die gezielte Tötung als legitim angesehen, auch wenn sich der Westen mit dieser fragwürdigen Vorgehensweise im Wild-West-Stil auf die gleiche Stufe stellt wie die Terroristen. Ein anständiger Prozess, der dem Verhalten eines Rechtsstaates auch entspricht, wäre die angemessene Lösung gewesen.
Dass Osama bin Laden in Pakistan untergetaucht war, sollte niemanden wundern, schließlich würde es auch die Taliban ohne die Unterstützung der pakistanischen Sicherheitskräfte gar nicht geben. Der ISI hatte die Taliban einst aufgebaut, um nach dem Abzug der Sowjets ein Machtvakuum zu füllen und um den Einfluss des Erzrivalen Indien auf dortigem Boden zu verhindern. Und die westliche Welt stieg auf den Feindbild-Lückenfüller namens Islamismus nach dem Zusammenbruch des Sowjetimperiums blindlings ein.
Doch Pakistan hat eine zweischneidige Rolle, einerseits ist es ein Hort des Terrors, anderseits ein Verbündeter im Kampf gegen den Terror. Das Land blieb nicht nur das Rückzugsgebiet der Taliban, von dort aus wurden die Kriegsstrategien entworfen, Waffen und Fahrzeuge geliefert, Selbstmordattentäter ausgebildet und Anschläge auf strategische Ziele in Kabul und Umgebung geplant.
Die Zahl der getöteten Zivilisten wuchs dadurch beständig, nicht nur durch die vielen Einsätze der ISAF-Truppen und die Bombenangriffe, von denen es hunderte mit mehr zivilen Opfern gab, als offiziell bekundet wurde. Auch deshalb wuchs der Hass der Bevölkerung auf die Ausländer, schon allein der Fakt genügte, dass bewaffnete Fremde auf den Straßen patroullieren, die als Besatzer empfunden werden und nicht als Helfer.
Der Wille zum Wiederaufbau durch die Nato wandelte sich zur Notwendigkeit des permanenten Schutzes vor den Einheimischen, die Taliban waren nicht zu erkennen, jeder konnte ein Feind sein, der aus dem Hinterhalt agiert.
Durch die ständigen Anschläge der al-Qaida sollte auch die Bevölkerung eingeschüchtert werden, jede Zusammenarbeit mit den ISAF-Truppen gilt als Verrat, Polizei-Checkpoints werden beschossen, explodierende Straßenbomben an jeder Ecke sind der Alltag, die Lage droht zu eskalieren und wird immer brenzliger, keiner kann sich den kriegerischen Handlungen entziehen. Das Land bewegt sich am Rande des Bürgerkriegs, der Frieden lässt sich nicht mit Gewalt erzwingen, schon gar nicht mit der heutigen technisch überdosierten Kriegsmaschinerie der Westmächte, abgesehen davon steigen die enormen Kosten ins Uferlose.
Die Absichten Afghanistan anzugreifen, mögen anfangs große Unterstützung hervorgerufen haben, es ist jedoch wie jeder Waffengang ein schmutziger Krieg geworden mit all seinen Blutspuren und der erbarmungslosen Vernichtung von Existenzen. Außerdem ist gegen die Absolutheit der Dschihad-Kämpfer mit ihrer Todesliebe und der Selbstopferung, so irrational dies auch scheinen mag, kein Kampf zu gewinnen. Die Zeiten werden Jahr um Jahr tödlicher, Tausende sind bereits gestorben, ob durch Anschläge, Gefechte oder Bombenabwürfe, von Fortschritt kann keine Rede sein.
Die Situation ist verfahren und extrem schwierig und der Westen hat am Hindukusch eigentlich nichts verloren, seine Hilflosigkeit offenbaren die Dokumente über die Verstrickungen der Aufständischen mit dem pakistanischen Geheimdienst, auch der von den USA eingesetzte Hamid Karzai verfügt über keinerlei Macht außerhalb der Hauptstadt Kabul, zudem gibt es Mordkomplotte gegen Karzai und seinen Clan und die Bevölkerung will die Besetzung des Landes und die täglichen Opfer der Kämpfe nicht mehr hinnehmen.
Präsident Obama hat durch die angeordnete Tötung Osama bin Ladens zumindest ein erklärtes Ziel erreicht, wenn auch ein rachsüchtiges, doch seine Glaubwürdigkeit hat arg gelitten, das Gefangenenlager Guantanamo gibt es immer noch und seine Rhetorik ähnelt immer mehr derjenigen seines Vorgängers, von seinen echten Freundschaftsangeboten an die muslimische Welt ist nur noch wenig zu hören.
Auch wenn es plötzlich geheime Verhandlungen zwischen Vertretern der US-Regierung und Vertretern der Taliban für eine politische Lösung gibt, um einen Termin für den Abzug der ISAF-Truppen zu benennen, was auch bitter nötig ist, um die Spirale der Gewalt zu durchbrechen, so bleibt Afghanistan eine offene Wunde, die Entwicklung in eine Demokratie ist gründlich misslungen. Niemand weiß, ob sich das Land jemals wieder stabilisieren kann, bedrohlich ist außerdem, dass sich auch die Atommacht Pakistan zunehmend in einen gescheiterten Staat verwandelt.
Die Folgen des nun schon so lange andauernden Krieges sind verheerend, wie die Dokumente von Wikileaks belegen und vermutlich wird diese Möglichkeit, genaue Informationen im Internet zu recherchieren, meist nur für Historiker von großer Bedeutung sein.
Ob Wikileaks wirklich einen ausschlaggebenden Einfluss auf die Weltpolitik hat, ist leider zu bezweifeln, aber die Pflicht der Bürger, Politik nicht nur den Politikern zu überlassen, hat dadurch eine großartige Chance bekommen. Hoffentlich wird sie auch genutzt.

Julian Assange

Februar 5, 2011

Nun sitzt der leicht egomanische Paradiesvogel mit der unverschämt erotischen Stimme mehr oder weniger im Londoner Käfig fest. Für jemanden, der es anscheinend liebt, sein Leben auf Flughäfen zu verbringen, ist das wohl eher anstrengend. Die Frage ist auch, ob dieser Ikarus zu nahe an die Sonne des Ruhmes gerät und sich die Flügel verbrennt oder ob er die Balance angesichts der Aufmerksamkeitslawine in den Medien halten kann und nicht abstürzt. Im Hinblick auf die schwindelerregenden Höhen, die Assange in kürzester Zeit erreicht hat, kann man nur hoffen, dass er von wirklich guten Freunden umgeben ist und nicht von solchen, die sich an seine Person hängen, um sich in seinem Charisma zu baden.
Es ist schon erstaunlich, da arbeiten NGO´s jahrelang, um das Elend auf Erden anzuprangern und niemand hört sie, nun kommt plötzlich ein verwegener Mensch, im Gepäck ein paar brisante geheime Informationen und alle Welt schaut hin. Das hat sicher nicht nur mit der Idee zu tun, Staaten und Organisationen herauszufordern, indem man deren Geheimnisse ausplaudert, sondern auch mit einer Identifikationsfigur, wie sie Assange mit all seinen Widersprüchen perfekt verkörpert.
Da ist jemand, der nicht leicht zu fassen ist, mit einer Kindheit im Dauerstress eines Verfolgungswahnes seitens der Mutter, einer jung gescheiterten Ehe, einem diffusen Dasein als Hacker mit politischem Anspruch, sich ironischerweise „Mendax“ nennend und schließlich den Plan für Wikileaks entwickelnd, der vor gut vier Jahren in die Tat umgesetzt wurde.
Das konnte nur funktionieren, weil Assange sich mit manischer Akribie und dem unbedingten Glauben an seine Mission im Konzept von Wikileaks verwirklicht sah.
Sein Ansatz war einfach und radikal, die Öffentlichkeit hat das Recht auf absolute Informationsfreiheit mit der logischen Folge eines Korrektivs von Ungerechtigkeiten, da jeder Zugang zu allen Daten hat und sich so die Bürger nicht mehr von den Mächtigen dieser Welt belügen und damit beherrschen lassen.
Laut Wunschdenken von Assange soll Wikileaks der „größte Geheimdienst für das Volk“ werden, das der Unterwürfigkeit entsagt, sich nicht länger kontrollieren lässt und somit die Strukturen der Macht und die autoritären Systeme der Regimes zusammenbrechen, solange, bis „die Bestie der Verschwörung im Ganzen“ zerstört ist.
Der Hang zu Verschwörungstheorien ist Assange eigen und eigenwillig ist auch sein anarchistisch globales Denken. Er sieht sich als Kämpfer gegen eine imperiale Weltordnung, deren Reaktionen auf die Veröffentlichungen mit ihrer das-Imperium-schlägt-zurück-Strategie, indem man Assange zum Staatsfeind erklärt, sein Weltbild wie eine sich selbst erfüllende Prophezeiung zu bestätigen scheinen. Diese Rolle ist ihm wie auf den Leib geschrieben, er praktiziert das Versteckspiel in Agentenmanier, taucht unter und auf, benutzt etliche Handys wie es Spione und Kriminelle tun, ändert mit Vorliebe sein Äußeres, erscheint mal mit dunkler Brille, meist aber mit abstrus gefärbten Haaren, obwohl ihn seine echte Haarfarbe wirklich schillernd macht.
Dieses Faszinosum Assange lebt vor allem von seinen vielen Facetten, er predigt die bedingungslose Transparenz, belässt das System Wikileaks aber im Dunkeln, er ist einerseits sehr intelligent, andererseits aber ziemlich paranoid, er ärgert auf wunderbare Weise die Machthaber, ist aber selbst besonders empfindlich und er kann herrlich politisch unkorrekt sein, hat aber auch eine enorme Geltungssucht nach Ernsthaftigkeit. Sein Streben nach größtmöglicher Effizienz mündet oft in seiner sehr speziell charmanten Arroganz.
Nicht zu unterschätzen ist sein Boulevard-Faktor mit den vielen Auftritten in diversen Sendungen und den gewissen Merkwürdigkeiten, mit denen er sich derzeit auseinandersetzen muss. Durch seine Eskapaden und seine andauernde Selbstdarstellung, immerhin ziert sein Portrait in Denkerpose das Erscheinungsbild von Wikileaks, ist das Anliegen, die Wahrheit über den Krieg und die Machenschaften in der Politik aufzudecken, etwas in den Hintergrund gerückt.
Trotzdem ist es sein Verdienst, dass es nun eine digital verbreitete Form von Journalismus gibt, die zeigt, dass sich die Geheimdiplomatie einer Demokratie nicht mit der Mündigkeit ihrer Bürger verträgt.
Durch Assange ist Wikileaks in den Medien extrem präsent geworden, auch weil sich viele mit ihm solidarisieren, die Internetgemeinde der Fans wächst ständig und unterstützt die Methoden der Whistleblower im Netz. Wikileaks ist inzwischen auch ohne Assange denkbar, aber das ist wirklich nicht wünschenswert.

Bradley Manning

Januar 28, 2011

Bradley Manning ist ein sehr junger Mensch, erst 23 Jahre alt.
Er ist in einem Alter, in dem man nur schwer die Konsequenzen des eigenen Tuns einschätzen kann.
Manning war Obergefreiter der US-Streitkräfte und im Irak-Krieg von Mitte 2009 bis Mai 2010 stationiert. Danach wurde er verhaftet, verbrachte eine kurze Zeit in Kuwait im Gefängnis und wurde dann nach Virginia in eine Militärbasis gebracht, in der er bis heute im dortigen Gefängnis festgehalten wird. Der Vorwurf gegen ihn lautet Geheimnisverrat und unerlaubtes Übertragen von geheimen Informationen. Ihm drohen bis zu 52 Jahre Haft, das heißt, sein Leben wird wahrscheinlich zerstört sein.
Derzeit sitzt er in einem Supermax-Gefängnis, eine Art Hochsicherheitsverwahrung, gedacht für Schwerstkriminelle. Für Manning bedeutet das Isolationshaft in einer kleinen videoüberwachten Zelle mit ein paar Möbeln aus Stahlbeton, in der er 23 Stunden am Tag zubringen muss. Er wird mitunter alle 5 Minuten gestört und so künstlich wachgehalten, er bekommt keine normalen Kissen und Decken, nichts Persönliches darf er besitzen, er hat kaum Kontakt zur Außenwelt. Dabei ist er noch nicht einmal verurteilt, sondern nur auf Verdacht hin unter Umständen eingesperrt, welche zu massiven seelischen und körperlichen Schäden führen können.
Ob sich Manning der Tragweite, vor allem den Folgen für sich selbst, wirklich vollständig bewusst war, darüber kann man nur mutmaßen, als er die Daten aus dem sogenannten „roten Netz“ für sich herunterlud und diese dann, wie er selbst in einigen Mails preisgab, an die Website Wikileaks weiterleitete. Er ist nicht nur ein sehr neugieriger Mensch, sondern er fühlte sich in der Armee als ein Außenseiter. Und er hatte eben einfach die Möglichkeit des unbegrenzten Zugangs in jene geheimen Netze, anscheinend konnte er dieser Versuchung nicht widerstehen.
Dass Manning überhaupt Zugriff auf diese Daten hatte, hat mit der Informationsbündelung und den nachlässigen Sicherheitsvorkehrungen bestimmter Netzwerke des US-Verteidigungs- und Außenministeriums zu tun. Immerhin haben auf die als „secret“ eingestuften Informationen ca. 2,5 Millionen Leute Zugriff, darunter Beamte der Ministerien und Militärs, auf die als „top-secret“ benannten Daten sind es noch ca. 850 000 Personen, auch private Firmen, die für die US-Regierung arbeiten.
Die schockierenden Videos aus den beiden Kriegen im Irak und Afghanistan, ebenso 75 000 Geheimpapiere über den Krieg in Afghanistan und 400 000 Feldprotokolle der amerikanischen Streitkräfte aus dem Irak-Krieg gehen möglicherweise auf Manning zurück. Auch für die Veröffentlichung der Depeschen von US-amerikanischen Botschaften durch Wikileaks soll Manning die Quelle sein.
Für Manning muss es auch ein gewisser Spaß gewesen sein, die Geheimhaltung zu umgehen und seine Vorgesetzten auszutricksen und er hatte wohl auch im Sinn, laut einer Mail von ihm, „einen perfekten Sturm“ zu entfachen. Das ist ihm mit der Weitergabe der Daten an Wikileaks durchaus gelungen, dafür muss er nun teuer zahlen. In Julian Assange hat Manning zufällig die perfekte Ergänzung gefunden, obwohl sich beide sicher nie begegnet sind oder sonst irgendeinen persönlichen Kontakt hatten. Das war auch gar nicht nötig bei der speziellen Funktionsweise von Wikileaks.
Die Rache für die Demütigung der Supermacht USA ließ nicht lange auf sich warten. Manning machte den Fehler, diese Dinge in einem Chat auszuplaudern und jemand meldete diesen Vorfall an die US-Behörden, Manning wurde sofort verhaftet. Auch Assange sollte büßen, die Behörden erklärten ihn zum Staatsfeind. Politiker und öffentliche Personen riefen sogar zum Mord an ihm auf, er sei ein Ziel wie die Taliban, ein Terrorist, man sollte ihn umbringen, erschießen, mit einer Drohne beseitigen oder ihn wenigstens ins Gefängnis nach Guantanamo sperren. Juristen wurden beauftragt, eine Anklage gegen Assange auszuarbeiten, man brauchte Beweise gegen ihn. Also setzte man Manning unter Druck, dass Assange ihn zum Geheimnisverrat angestiftet haben soll, so hätte man eine Handhabe gegen Assange.
Ausgerechnet im Mutterland der Meinungsfreiheit wird versucht, das Recht zu verbiegen, um unliebsame Querköpfe bestrafen zu können. Diesen Guantanamo-Faktor der US-Politik hat Barack Obama von seinem Vorgänger übernommen und er wird dieses Erbe nicht los. Die Frage ist, ob er es überhaupt kann und will. Die Haftbedingungen für Manning sind furchtbar und extrem hart, es grenzt an Folter, die „weiße“ Folter. Die Jagd auf Assange entspricht ebenfalls nicht den Normen einer Demokratie, die sich dem Schutz der Menschenrechte verpflichtet hat.
Werden diese Errungenschaften der menschlichen Zivilisation weiterhin verraten und auf´s Spiel gesetzt, kann uns irgendwann die Basis für unsere Freiheit entzogen werden. Dann regiert nur noch die Willkür und die Macht erhält ihren Schrecken wieder, dem sie ohne Transparenz und Teilhabe durch die Bürger, verfallen kann. Das hieße nichts anderes als stete Gewalt und Krieg um jeden Preis.