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Wikileaks-Depeschen

Mai 25, 2011

Es ist schon ein halbes Jahr her, als Wikileaks in Zusammenarbeit mit dem Spiegel, der New York Times, dem Guardian, Le Monde und El País durch die Veröffentlichung vertraulicher und geheimer Botschaftsberichte aus aller Welt eine scheinbare Zerreißprobe auf dem politischen Parkett hervorrief, von einem Super-GAU der Diplomatie und einer Bedrohung der internationalen Sicherheit war die Rede.
Die Reaktionen, vor allem die der USA, waren extrem ungemütlich, die Methoden von Wikileaks wurden als kriminell eingestuft, speziell Julian Assange wurde mit einem Terroristen gleichgesetzt. Auf deren wahrscheinlichen Druck wurde auch die Kooperation von Wikileaks mit Matercard, Pay Pal und Amazon kurzfristig gekündigt. Plötzlich war vergessen, dass gerade Demokratien die Publikationsfreiheit als ein Menschenrecht zu schützen haben und Journalismus die Aufgabe hat, den Staat zu kontrollieren, um dadurch eine Öffentlichkeit herstellen, die für eine Demokratie zwingend notwendig ist.
Doch nun stellte sich heraus, dass der Staat versuchte, sich über seine Bürger zu stellen und der Schutz dieser Dokumente und Zeugnisse über staatliches Handeln wichtiger zu sein schien als das Anrecht der Bürger auf freie Information. Die US-Administration hatte sich seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion in eine Geheimniskrämerzentrale gewandelt, die Prioritäten lagen eindeutig auf den militärisch-geheimdienstlichen Kapazitäten, zur Zeit der Regierung von George W. Bush schrumpfte die Diplomatie auf ein Mindestmaß und die Diplomaten erfüllten eher Hilfsdienste als Laien-Spione. Erst mit der Präsidentschaft von Barack Obama änderte sich dieser Zustand, Diplomatie war wieder gefragt.
Aber es gibt immer noch viele Geheimnisträger, immerhin hatten 2,5 Millionen Beamte Zugriff auf diese ca. 250 000 nun veröffentlichten Dokumente und es gibt allein 854 000 Geheimnisträger in den USA, so dass es nicht verwundert, wenn jemand auf die Idee kommt, dieses Herrschaftswissen den Bürgern preiszugeben. Zumal dadurch erst klar wird, wie sehr jenes Wissen dem Halb- und Unwissen ähnelt, abgesehen von einigen wirklich wichtigen und auch skandalösen Offenbarungen. Oft ist es der üblich etwas bösartige Klatsch und Tratsch, von dem man amüsiert zur Kenntnis nehmen kann, was man eh schon ahnte.
Zum Beispiel, dass Angela Merkel, die Teflon-Kanzlerin, das Risiko scheut und eher nicht kreativ ist, ihr Mitstreiter Guido Westerwelle inkompetent und eitel ist, Nicolas Sarkozy einem Kaiser ohne Kleider gleicht, Wladimir Putin der Alpha-Rüde im Gespann mit dem eher blassen Dmitri Medwedew ist, ein aufgeblasener Silvio Berlusconi wilde Party veranstaltet, Recep Erdogan eigentlich ein korrupter Islamist ist, der schwache Hamid Karzai sich mit Paranoia und Verschwörungstheorien herumplagt und sich ebenfalls mit Korruption tröstet, Kim Jong-il nur noch ein schlaffer alter Kerl ist und Mahmud Ahmadinedschad sogar das Böse in Form eines neuen Hitlers verkörpert. Der Geisteszustand mancher Politiker wird doch mitunter arg in Frage gestellt, so zweifelte auch Hillary Clinton an der Zurechnungsfähigkeit der argentinischen Präsidentin Cristina Kirchner und die europäischen Staatsoberhäupter buhlten wie die Kinder um die Gunst und ein Treffen mit Präsident Barack Obama.
Eine Blamage für die US-Regierung dürfte die Anordnung des Außenministeriums zum Ausspionieren der Mitarbeiter der UNO sein. So wollte man alles über die interne Kommunikation und die Sicherheitsmaßnahmen wissen. Sogar Passwörter, Kreditkarten- und private Telefonnummern, persönliche Codes für Verschlüsselungen und biometrische Daten waren von großem Interesse. Außerdem versuchte die US-Regierung ihre Guantanamo-Häftlinge gegen ein Kopfgeld und anderweitige Versprechen ins Ausland zu verfrachten. Saudi-Arabien machte sogar den Vorschlag, diese ehemaligen Häftlinge dann mit einem Mikrochip zu versehen, um sie weiterhin kontrollieren zu können.
Sehr kritisch gesehen wurden die Türkei, mit ihrem ausgeprägten Hang zum Islamismus und dem osmanischen Minderwertigkeitskomplex, Russland, mit seinen mafiös kleptokratischen Strukturen, seinen dubiosen Waffenlieferungen und dem Kalter-Krieg-Gehabe und vor allem China, die undurchsichtige gefährlich erstarkende Macht, die Nordkorea erstaunlicherweise weniger unterstützt als gedacht und eine Wiedervereinigung mit Südkorea nicht ausschließt.
Besonderes Augenmerk gilt dem Nahen und Mittleren Osten, Jemen, wo sich al-Qaida immer mehr ausbreitet und die Anti-Terror-Hilfe für den mörderischen Kampf gegen Aufständische missbraucht wird, deren Regierung auch schon mal US-Angriffe als eigene Attacken ausgibt, Irak, wo die Amerikaner komplett gescheitert sind und sich zwischen den Machtkämpfen von Sunniten und Schiiten verheddert haben, so auch im Nahost-Konflikt, in dem die USA hilflos zusehen, wie alle Seiten tricksen und sich die Lage trotz erheblicher finanzieller Spritzen nicht ändert, Pakistan, das als ein atomar bewaffneter Staat äußerst labil agiert, weil die Militärs und die Geheimdienste ihre eigene Politik auch gegen amerikanische Interessen betreiben und die Sorge um das nukleare Material und eine mögliche schmutzige Bombe immer größer wird. Und dann insbesondere Iran, um dessen vermutlich weit entwickeltes Atomprogramm, was vor allem die arabischen Staaten in regelrechte Panik versetzt.
Diese haben eine so alptraumhafte Angst, ein atomar bewaffneter Iran könnte ihre Scheichtümer und Königshäuser politisch und militärisch kontrollieren, dass sich die Staaten dieser Region mit amerikanischen Waffen und Abwehrraketen regelrecht zuschütten. Auch die Israelis entwerfen regelmäßig Horrorszenarien, ab wann der Iran in der Lage wäre, die Bombe wirklich zu bauen, um sich dann ihrerseits alle Optionen für einen militärischen Einsatz offen zu halten. Von diesem Konflikt profitieren besonders Russland und China, die sich das Unterlassen von Geschäften mit dem Iran, sei es in nukleartechnischer oder in ölunternehmerischer Hinsicht, teuer bezahlen lassen.
Aber auch die Amerikaner wissen ihre dortige Stellung durch die regionale Instabilität zu nutzen. Massive Schutzvereinbarungen auf militärischer und infrastruktureller Basis, zementieren die amerikanische Weltmachtsäule, auch wenn die US-Regierung durch ihre zwanghafte Energiesicherungsfixierung auf das Öl mitunter zum Spielball unterschiedlicher Interessen und Feindschaften zwischen Arabern und Israelis, Islamisten und Säkularen wird.
Schließlich müssen auch die US-Diplomaten so manchen zwielichtigen Despoten umgarnen, um an das Schwarze Gold zu gelangen und das ohne nur irgendeine Rücksicht zu nehmen auf die klimaschädliche Wirkung dieses Rohstoffes. Denn allen verheerenden Witterungsprognosen zum Trotz wurden die Europäer auf dem Klimagipfel in Kopenhagen von den USA und China gründlich über den Tisch gezogen, um einen nur unwesentlich funktionierenden Minimalkonsens über die Beschränkung von Treibhausgasemissionen auszuhandeln.
Angesichts dieser Datenfülle aus den Depeschen wird wieder deutlich, was sowieso kein Geheimnis ist, das Geschachere und Gerangel unter den Politikern und Diplomaten wirkt mitunter kleingeistig und auch lächerlich, wenn es nicht so ernste Folgen hätte. Man darf durchaus spekulieren, ob es eine Koalition der Willigen für den Irak-Krieg gegeben hätte, wenn genaue Informationen über die nicht vorhandenen Massenvernichtungswaffen rechtzeitig publik gemacht worden wären.
Auch mittels Wikileaks könnte eine größere Hoffnung bestehen, dass durch Transparenz und Wahrheit ein friedliches Miteinander eine reale Möglichkeit erhält, in einer Welt, in der die Mächtigen nicht mehr tun können, was sie wollen. Wahrheit bedeutet aber auch Verantwortung für jeden Einzelnen, weshalb sie so gefürchtet wird, jedoch sich dieser Furcht zu stellen, lohnt sich.

Wikileaks-Irak

Februar 1, 2011

Krieg ist zu jeder Zeit die schlimmste Katastrophe und die bitterste Niederlage der Menschheit, ganz egal, aus welchen Gründen er geführt wird oder wie man ihn nennt. Eigentlich sollte sich heute niemand mehr der Illusion eines gerechten Krieges hingeben, aber wir werden wahrscheinlich noch viele Horrorvisionen erleben müssen, der Fantasie scheint diesbezüglich keine Grenze gesetzt zu sein, wer weiß, was uns noch erwartet.
Die Enthüllungen von Wikileaks zeigen das ganze nackte Elend des Irak-Krieges in persönlichen Protokollen der dort stationierten US-Streitkräfte, eine Art Kriegstagebuch, so unmittelbar in den Details, dass es schwer fällt, sich diesen Fakten zu stellen. Aber es ist notwendig, dass alles an die Öffentlichkeit kommt, es darf nichts verschwiegen werden.
In den 400 000 geheimen Dokumenten kann man genau nachvollziehen, wie dieser Krieg im Einzelnen verlaufen ist. Es sind erschütternde Zeugnisse, die das ganze Ausmaß beschreiben und die klarmachen, dass diese von Anfang an mit Lügen begründete Invasion in keinster Weise den Weg zur Demokratie geebnet hat. Im Gegenteil, Terror und Willkür beherrschen das Land, tagtäglich wird getötet und gefoltert, es ist ein irakisches Trauerspiel.
Die Aufzeichnungen dieser Dokumente beziehen sich auf die Jahre 2004-2009 und entgegen der offiziellen Behauptung, dass man nicht wüsste, wie viele Opfer der Kampf auf irakischer Seite gekostet hat, kann man anhand der Daten dazu nun doch Aussagen machen. Wahrscheinlich sind es mehr als 100 000 Tote, davon zwei Drittel Zivilisten und fast 180 000 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. Jeden Tag gab es Bombenanschläge, die amerikanischen Truppen befanden sich in einem Gewalteinsatz, es wurde auf alles geschossen, was sich bewegte, an jeder Straßenecke passierte ein Mord, überall musste man mit Sprengfallen rechnen, die Nerven lagen blank. Der Schutz der eigenen Truppen war das oberste Ziel, das Töten von Zivilisten nur ein Kavaliersdelikt und der Tod von Zivilisten wurde auch nicht weiter hinterfragt.
Die Bevölkerung empfand die ausländischen Truppen definitiv nicht als Befreier, sondern als Besatzer, zumal die Luftangriffe überhand nahmen. Die Videos aus den Apache-Kampfhubschraubern erreichten durch Wikileaks traurige Berühmtheit, sie zeigen die Skrupellosigkeit und Kaltschnäuzigkeit der Soldaten, eben das, was der Krieg aus Menschen machen kann. Einige Soldaten hatten direkt Spaß am Töten, sie prahlten damit, wie viele Menschen sie am Tag erledigt hatten. Es sieht mitunter auch aus wie ein Videospiel auf den Computerbildschirmen, doch am Schluss lagen die Leichenteile auf den Straßen, zerstückelt von Hellfire-Raketen. Oft traf es Unschuldige, die zufällig zur falschen Zeit am falschen Ort waren. 103 Fälle von toten Zivilisten durch Luftangriffe wurden registriert, Kinder, Frauen, Männer und Alte.
Spätestens im Jahr 2007 versank das Land endgültig im Chaos, ca. 30 Bombenanschläge pro Tag waren die Regel, manche Selbstmordattentäter waren Kinder, der jüngste nur 11 Jahre alt. Diese Kinder wurden mit Geschenken gefügig gemacht und nannten sich „Vögel des Himmels“, „Kinder des Paradieses“ oder „Zelle der Kolibris“. In den Straßen es gab nur noch Mord und Totschlag, an den Checkpoints starben mehr als 800 Personen. Ständige Verhaftungen und Misshandlungen waren an der Tagesordnung, bis zu 180 000 Iraker wurden inhaftiert und es wurde massiv gefoltert.
Die Vorfälle in Abu Ghuraib waren nur ein Teil des unglaublichen Schreckens, 300 Fälle von Misshandlungen wurden nach diesem Skandal schriftlich festgehalten. Dazu sind noch 1800 Fälle von Folter in den Gefängnissen dokumentiert und zwar meistens ausgeführt von Irakern an Irakern, also den Behörden, die von den Amerikanern ausgebildet wurden. 32 500 ermordete Zivilisten, darunter 164 Kinder, gehen auf das Konto der irakischen Armee und Polizei, davon 10 000 Tote mit Kopfschüssen und 439 Enthauptungen. Jeden Tag wurden 100-150 Leichen aus den Flüssen geborgen, viele von ihnen wiesen Spuren der Folter auf, sie waren verstümmelt, mit Bohrlöchern übersät oder mit Kabeln geknebelt.
Die irakischen lokalen Milizen erwiesen sich als wahre Todesschwadrone und wie zu Zeiten Saddam Husseins wurde und wird auf grausamste Weise gefoltert, gemordet, verschleppt und erpresst. Alte Rechnungen der Clans werden beglichen und die Kluft zwischen Schiiten und Sunniten vergrößert sich zusehends, das Land spaltet sich weiterhin in eine unversöhnliche Richtung.
Ursprünglich wurde dieser Krieg mit den Begründungen begonnen, dass es im Irak Massenvernichtungswaffen gibt und die Saddam-Regierung enge Beziehungen zu Al-Qaida hätte. Doch weder Massenvernichtungswaffen wurden gefunden, noch gab es die besagte Verbindung zu der Terrororganisation, erst mit diesem Krieg kam Al-Qaida ins Land. Das lässt ich auch anhand der Dokumente zeigen, 2004 wurde Al-Qaida nur 7 mal erwähnt, während es 2008 schon 8500 Einträge gab. Inzwischen gehen viele Morde auf das Konto von Al-Qaida, Irak ist ein gewalttätiger Ort mit einer korrupten politischen Elite und kriminellen Strukturen. Bis heute gibt es pro Tag ca. 200 Beerdigungen, viele sind Opfer von Anschlägen und die meisten werden als „unbekannt“ begraben.
Dieser Krieg ist wie jeder Krieg brutal und blutig, ein fortwährender Alptraum, das beweisen die Dokumente von Wikileaks, es gibt daran nichts zu beschönigen. Warum auch immer dieser Krieg begonnen wurde, ob für Öl und Einfluss in dieser Region, ein Ende des Gemetzels ist nicht in Sicht.

Bradley Manning

Januar 28, 2011

Bradley Manning ist ein sehr junger Mensch, erst 23 Jahre alt.
Er ist in einem Alter, in dem man nur schwer die Konsequenzen des eigenen Tuns einschätzen kann.
Manning war Obergefreiter der US-Streitkräfte und im Irak-Krieg von Mitte 2009 bis Mai 2010 stationiert. Danach wurde er verhaftet, verbrachte eine kurze Zeit in Kuwait im Gefängnis und wurde dann nach Virginia in eine Militärbasis gebracht, in der er bis heute im dortigen Gefängnis festgehalten wird. Der Vorwurf gegen ihn lautet Geheimnisverrat und unerlaubtes Übertragen von geheimen Informationen. Ihm drohen bis zu 52 Jahre Haft, das heißt, sein Leben wird wahrscheinlich zerstört sein.
Derzeit sitzt er in einem Supermax-Gefängnis, eine Art Hochsicherheitsverwahrung, gedacht für Schwerstkriminelle. Für Manning bedeutet das Isolationshaft in einer kleinen videoüberwachten Zelle mit ein paar Möbeln aus Stahlbeton, in der er 23 Stunden am Tag zubringen muss. Er wird mitunter alle 5 Minuten gestört und so künstlich wachgehalten, er bekommt keine normalen Kissen und Decken, nichts Persönliches darf er besitzen, er hat kaum Kontakt zur Außenwelt. Dabei ist er noch nicht einmal verurteilt, sondern nur auf Verdacht hin unter Umständen eingesperrt, welche zu massiven seelischen und körperlichen Schäden führen können.
Ob sich Manning der Tragweite, vor allem den Folgen für sich selbst, wirklich vollständig bewusst war, darüber kann man nur mutmaßen, als er die Daten aus dem sogenannten „roten Netz“ für sich herunterlud und diese dann, wie er selbst in einigen Mails preisgab, an die Website Wikileaks weiterleitete. Er ist nicht nur ein sehr neugieriger Mensch, sondern er fühlte sich in der Armee als ein Außenseiter. Und er hatte eben einfach die Möglichkeit des unbegrenzten Zugangs in jene geheimen Netze, anscheinend konnte er dieser Versuchung nicht widerstehen.
Dass Manning überhaupt Zugriff auf diese Daten hatte, hat mit der Informationsbündelung und den nachlässigen Sicherheitsvorkehrungen bestimmter Netzwerke des US-Verteidigungs- und Außenministeriums zu tun. Immerhin haben auf die als „secret“ eingestuften Informationen ca. 2,5 Millionen Leute Zugriff, darunter Beamte der Ministerien und Militärs, auf die als „top-secret“ benannten Daten sind es noch ca. 850 000 Personen, auch private Firmen, die für die US-Regierung arbeiten.
Die schockierenden Videos aus den beiden Kriegen im Irak und Afghanistan, ebenso 75 000 Geheimpapiere über den Krieg in Afghanistan und 400 000 Feldprotokolle der amerikanischen Streitkräfte aus dem Irak-Krieg gehen möglicherweise auf Manning zurück. Auch für die Veröffentlichung der Depeschen von US-amerikanischen Botschaften durch Wikileaks soll Manning die Quelle sein.
Für Manning muss es auch ein gewisser Spaß gewesen sein, die Geheimhaltung zu umgehen und seine Vorgesetzten auszutricksen und er hatte wohl auch im Sinn, laut einer Mail von ihm, „einen perfekten Sturm“ zu entfachen. Das ist ihm mit der Weitergabe der Daten an Wikileaks durchaus gelungen, dafür muss er nun teuer zahlen. In Julian Assange hat Manning zufällig die perfekte Ergänzung gefunden, obwohl sich beide sicher nie begegnet sind oder sonst irgendeinen persönlichen Kontakt hatten. Das war auch gar nicht nötig bei der speziellen Funktionsweise von Wikileaks.
Die Rache für die Demütigung der Supermacht USA ließ nicht lange auf sich warten. Manning machte den Fehler, diese Dinge in einem Chat auszuplaudern und jemand meldete diesen Vorfall an die US-Behörden, Manning wurde sofort verhaftet. Auch Assange sollte büßen, die Behörden erklärten ihn zum Staatsfeind. Politiker und öffentliche Personen riefen sogar zum Mord an ihm auf, er sei ein Ziel wie die Taliban, ein Terrorist, man sollte ihn umbringen, erschießen, mit einer Drohne beseitigen oder ihn wenigstens ins Gefängnis nach Guantanamo sperren. Juristen wurden beauftragt, eine Anklage gegen Assange auszuarbeiten, man brauchte Beweise gegen ihn. Also setzte man Manning unter Druck, dass Assange ihn zum Geheimnisverrat angestiftet haben soll, so hätte man eine Handhabe gegen Assange.
Ausgerechnet im Mutterland der Meinungsfreiheit wird versucht, das Recht zu verbiegen, um unliebsame Querköpfe bestrafen zu können. Diesen Guantanamo-Faktor der US-Politik hat Barack Obama von seinem Vorgänger übernommen und er wird dieses Erbe nicht los. Die Frage ist, ob er es überhaupt kann und will. Die Haftbedingungen für Manning sind furchtbar und extrem hart, es grenzt an Folter, die „weiße“ Folter. Die Jagd auf Assange entspricht ebenfalls nicht den Normen einer Demokratie, die sich dem Schutz der Menschenrechte verpflichtet hat.
Werden diese Errungenschaften der menschlichen Zivilisation weiterhin verraten und auf´s Spiel gesetzt, kann uns irgendwann die Basis für unsere Freiheit entzogen werden. Dann regiert nur noch die Willkür und die Macht erhält ihren Schrecken wieder, dem sie ohne Transparenz und Teilhabe durch die Bürger, verfallen kann. Das hieße nichts anderes als stete Gewalt und Krieg um jeden Preis.