Archive for the ‘Schrifttum’ Category

Vergiss Dein Grab und Komm

März 23, 2013

Als meine Gedanken durch fremdes Blut gingen
Schnee auf Schnee, das Geräusch des Sterbens
So ersticke ich nun in Angst vor meinen Lügen
Immer fern am zerbrechenden Skelett der Welt
Um nicht dort heil zu werden, wo ich krank war
Mit dem Krieg bekleidet, der den Zufall vernichtet
Geht der Schattenwerfer, mein Sohn der Trauer
Mit Atem, ganz wie das wütende Herz der Engel
Gib mir jederzeit die eine für die andere Wahrheit
Durch mein Leben, so lange, bis ich alles vergebe

Geisternetz

Mai 14, 2011

Die Flugzeuge ritzen das durchstoßene Herz in den klaren Himmel.
Bombennächte spiegeln sich vulkanisch hell auf dem Straßenasphalt.
Der Atem stockt eingesperrt in den dreißig Millisekunden Gegenwart.
Auf meiner dunklen Netzhaut brennen die abstürzenden Feuerbälle.
Ich starre wie Lot auf die Fremdheit meiner sehnsüchtigen Hoffnung.
Die Fortsetzung meiner Geburt zweifelt an meinen frühen Wünschen.
Mein Dasein hat sich eingerichtet im Sichwehren mit Selbstzerstörung.
Eine Totenwache der Raben hat sich um meinen Körper versammelt.
Belastendes Material schreibt sich in Zahlen auf die Haut der Vernunft.
Steinerne Schreckenshäupter verfolgen das Überall mit ihren Blicken.
Kniende Frauen kriechen höher auf der Treppe der Heilserwartung.
Der Name der Welt liest sich bis in die Unverständlichkeit hinein.

Verhängniskette

Mai 7, 2011

Wann beginnt das Verhängnis? Hat es überhaupt einen Anfang oder sucht es sich Stück für Stück die Puzzlesteine am Wegesrand des Lebens zusammen. Und welchen Sinn verfolgt es, vielleicht den, einen Menschen vernichten zu wollen oder ist es einfach nur eine Form von Gleichgültigkeit, die dem Menschen zustößt, die dieser aber nicht aushalten kann, weil er sich für verloren hält. Und ist er wirklich verloren oder darf er auf ein nächstes Leben hoffen, wenn schon das hiesige in Trümmern liegt, während sich im Leben der anderen eine Normalität eingenistet hat, die blind für den Gestürzten einen Lauf nimmt, die sich keine Fragen stellen will, solange es nur vorwärts geht. Aber was heißt es schon, vorwärts zu gehen, es ist doch das Altern, das eine willkommene Illusion von Zeit vorgaukelt. Möglich, dass nichts wirklich vergeht, sondern das Gesamte in uns unbekannte Räume verschwindet, die ein Mensch nie betreten kann, weil er sich sonst in sein Gegenteil verwandeln würde, sein Körper in eine Art Antimaterie und sein Geist in dunkle Energie, die der kalte Kosmos als Treibstoff benötigt. Regiert der Überfluss oder die Notwendigkeit das Universum und sind wir eigentlich in einem Sinngefüge verankert oder einfach nur eine Laune der mathematischen Gesetzmäßigkeiten? Vielleicht gibt es auch überhaupt keine wirklichen Antworten, solange wir im Diesseits gefangen sind, vielleicht eröffnen sich nie Zusammenhänge der Dinge, sondern nur zufällige Fragmente und die Gründe für alles sind nur eine Erfindung unseres Verstandes. Der Mensch aber braucht eine höhere Ordnung zum Überleben, obwohl er die Wahl hat, sich der gegebenen Struktur ganz und gar zu verweigern, seine Ohnmacht als Macht zu begreifen als letzten Ausweg, wenn ihn Krankheit und Lieblosigkeit zermürbt haben. Nur ein Hauch von Glück reicht, um ihn für eine lebendige Ewigkeit in das Elend stürzen, aus dem es trotz aller Mühe kein Entrinnen mehr gibt. So vom Schicksal in Haft genommen, fällt er tief ins Bodenlose, nur die Einsamkeit begleitet ihn durch die dunklen Jahrzehnte. Nichts kann er festhalten, es entgleitet ihm jedes Stück von Hoffnung, auch sein eigenes Ich verliert jegliche Kontur und zerfasert sich in Unbegreifliches. Mit abgrundtiefer Reue denkt er an das Verlorene und fragt sich, wäre ihm ein besseres Leben bestimmt gewesen oder stand sein Dasein von Anfang an im Schatten oder ist er nur ein zufällig tanzender Spielball des Schicksals? Waren es vielleicht auch seine Fehler und Fehltritte, die einsame Trauer seiner Kindheit und die vergeudete Jugend, die ihn genau dorthin brachten, wovor er sich am meisten gefürchtet hat? Ein falscher Schritt und eine unbedachte Entscheidung und schon kann das jahrelang erbaute Gerüst der existenziellen Selbstverständlichkeit zusammenstürzen, das eigene Leben ist von einem Moment auf den anderen zerstört, Trost ist nur ein Wort, dessen Bedeutung ein Trugbild bleibt. Der Schmerz über den endgültigen Verlust der Leichtigkeit und der freudigen Erwartung, eine erfüllte Zukunft zu haben, ist so übermächtig, dass die Seele ein gnadenloses Schlachtfeld aus dem Körper macht und dass dem Menschen die gesamte Welt abhanden kommt, das Licht nur noch einen wirklichkeitsfernen dunklen Schein hat. Die Qual der Ausweglosigkeit lenkt auf einen Weg, auf dem konsequent Unglück auf Unglück wartet und keine Weisheit auf die Verzweiflung folgt. Waren denn alle Liebe und Zärtlichkeit umsonst gewesen, wenn sie nun zertrümmert im Ort der inneren Verwüstung liegen? Wozu noch die Sehnsucht, wenn sie nur Kummer und Gram nach sich zieht und den marternden Hass gebiert. Und wie kann es sein, dass das Heilsversprechen ein magisches Vakuum bleibt, während die Hölle unmittelbar auf Erden erfahrbar ist? Oft schon hat ein menschengemachtes Inferno ganzen Völkern das Verderben gebracht und es wird unter einem anderen Namen immer wiederkehren mit all seiner negativen Zerstörungskraft. Kein Schöpfer hält seine schützende Hand über das so zerbrechliche Leben jedes Wesens, auch die Natur wütet grausam gegen alles Lebendige, nichts ist sicher, der Abgrund lauert in jeder Sekunde überall. Die Angst vor Krankheit und Tod treibt den Menschen am Wesentlichen vorbei in die Armseligkeit der Blindheit sich mit einer trügerischen Gedanklichkeit zu bespiegeln. Der Versuch die eigenen Geschicke und die des Weltenlaufes zu verstehen, öffnet die bedrohliche Tür in den Wahnsinn und eine leidvolle Erkenntnis entzieht sich für immer dem Vergessen. Wehe dem, der sein Leben in den Händen eines lebendigen Gottes glaubt.

Kamineffekt

April 24, 2011

Violette Leichenflecken auf der Haut der Welt,
wie der letzte Versuch eines erkaltenden Sterns,
der Vergangenheitslichtkegel ist am Erlöschen,
der Nachtschatten hat die Feuerflamme besiegt,
die Zeit versickert in den Lücken der Spaltbrüche,
die Todesverachtung für die Wünsche triumphiert,
das Zerfalls-Äon erreicht seine kritische Masse,
auf jenen mit Yellowcakes gepflasterten Wegen,
in die durch Vergangenheit ruinierte Gegenwart,
vergessen die Red Tag Items am blutenden Sein.

Allumkehre

April 22, 2011

alle Zeit der Welt
aus Papierdrachen
die Grenzfestung
im Schattenzwang
Gedankenplasma
mit Wortbleiche
zum Schmerzton
das Sterngeflüster
Milchstraßenblitz
alle Welt der Zeit

Lebenslänglich

April 12, 2011

Der Vater fragt
seine Tochter:
„Was siehst Du,
wenn Du Deine
Augen schließt?“
Die Tochter
schließt die Augen
und antwortet:
„Nichts!“
Der Vater sagt:
„Genau
das bist
Du!“

Wegkreuzung

April 2, 2011

Das Himmelsgrab öffnet die Schleusen,
der taube Engelsschrei verhallt ungehört,
die Weltlinie verblasst im Sonnenstillstand,
das Block-Universum verdüstert sich in Zeit,
die Uhren ticken ohne Zeiger zum Niedergang,
das Sinnmausoleum erstarrt im Ewigwährenden,
der Seelenrückstand hat Metall auf all den Lippen.

Scherwind

März 10, 2011

Die Gestirne zerreißen lautlos das Sinngefüge der Zeit,
die blinde Vernichtung geistert durch den Augenblick,
im Raum zersplittert die Materie in Bedeutungslosigkeit,
es gibt nichts zu retten, weil nichts mehr wichtig ist,
die Endlosschleife läuft, die das fotogene Elend abspult,
inmitten des Wahns lodert das Unterholz der Existenz,
der direkte Draht zur Welt endet in der Versteinerung,
im Traum erscheinen die Worte, kein Glück für niemand.

Mondlicht

Februar 6, 2011

Du bist ein ferner Hauch, dessen Name Welt ist,
mich fesselnd im quälenden Blau des Himmels,
durch Fasern erinnert sich mein überlebtes Selbst,
die Liebe hatte ich mit kaltem Wasser getrunken,
auf meinen Lippen schmilzt das Eis nur langsam,
das Leeren Deiner erfüllten Worte ist mir Trost,
meine Nacht aus Blei, Dein Haar aus Mondlicht.

Mutterfinsternis

Januar 18, 2011

Keine offene Tür, kein Halt nirgends,
meine Gestalt zieht mich in die Ferne von mir,
suche ich mein Gesicht, bleibt es schwarzleer,
keine Rolle zu spielen, keine Rolle zu sein,
das Spatzkind, das Spielkind geblieben,
nicht Tochter, nicht Frau, nicht Geliebte geworden,
eine Todesmutter waltet in meinem Leib,
meine Rache als die ewige Selbstmörderin,
Untochter, Dunkelfrau und Vergeliebte,
Frucht eines unbedachten Augenblicks,
immer nur die Saat des eigenen Schreckens,
alle Sehnsucht vernichtend in jedem Moment.