Verhängniskette

Wann beginnt das Verhängnis? Hat es überhaupt einen Anfang oder sucht es sich Stück für Stück die Puzzlesteine am Wegesrand des Lebens zusammen. Und welchen Sinn verfolgt es, vielleicht den, einen Menschen vernichten zu wollen oder ist es einfach nur eine Form von Gleichgültigkeit, die dem Menschen zustößt, die dieser aber nicht aushalten kann, weil er sich für verloren hält. Und ist er wirklich verloren oder darf er auf ein nächstes Leben hoffen, wenn schon das hiesige in Trümmern liegt, während sich im Leben der anderen eine Normalität eingenistet hat, die blind für den Gestürzten einen Lauf nimmt, die sich keine Fragen stellen will, solange es nur vorwärts geht. Aber was heißt es schon, vorwärts zu gehen, es ist doch das Altern, das eine willkommene Illusion von Zeit vorgaukelt. Möglich, dass nichts wirklich vergeht, sondern das Gesamte in uns unbekannte Räume verschwindet, die ein Mensch nie betreten kann, weil er sich sonst in sein Gegenteil verwandeln würde, sein Körper in eine Art Antimaterie und sein Geist in dunkle Energie, die der kalte Kosmos als Treibstoff benötigt. Regiert der Überfluss oder die Notwendigkeit das Universum und sind wir eigentlich in einem Sinngefüge verankert oder einfach nur eine Laune der mathematischen Gesetzmäßigkeiten? Vielleicht gibt es auch überhaupt keine wirklichen Antworten, solange wir im Diesseits gefangen sind, vielleicht eröffnen sich nie Zusammenhänge der Dinge, sondern nur zufällige Fragmente und die Gründe für alles sind nur eine Erfindung unseres Verstandes. Der Mensch aber braucht eine höhere Ordnung zum Überleben, obwohl er die Wahl hat, sich der gegebenen Struktur ganz und gar zu verweigern, seine Ohnmacht als Macht zu begreifen als letzten Ausweg, wenn ihn Krankheit und Lieblosigkeit zermürbt haben. Nur ein Hauch von Glück reicht, um ihn für eine lebendige Ewigkeit in das Elend stürzen, aus dem es trotz aller Mühe kein Entrinnen mehr gibt. So vom Schicksal in Haft genommen, fällt er tief ins Bodenlose, nur die Einsamkeit begleitet ihn durch die dunklen Jahrzehnte. Nichts kann er festhalten, es entgleitet ihm jedes Stück von Hoffnung, auch sein eigenes Ich verliert jegliche Kontur und zerfasert sich in Unbegreifliches. Mit abgrundtiefer Reue denkt er an das Verlorene und fragt sich, wäre ihm ein besseres Leben bestimmt gewesen oder stand sein Dasein von Anfang an im Schatten oder ist er nur ein zufällig tanzender Spielball des Schicksals? Waren es vielleicht auch seine Fehler und Fehltritte, die einsame Trauer seiner Kindheit und die vergeudete Jugend, die ihn genau dorthin brachten, wovor er sich am meisten gefürchtet hat? Ein falscher Schritt und eine unbedachte Entscheidung und schon kann das jahrelang erbaute Gerüst der existenziellen Selbstverständlichkeit zusammenstürzen, das eigene Leben ist von einem Moment auf den anderen zerstört, Trost ist nur ein Wort, dessen Bedeutung ein Trugbild bleibt. Der Schmerz über den endgültigen Verlust der Leichtigkeit und der freudigen Erwartung, eine erfüllte Zukunft zu haben, ist so übermächtig, dass die Seele ein gnadenloses Schlachtfeld aus dem Körper macht und dass dem Menschen die gesamte Welt abhanden kommt, das Licht nur noch einen wirklichkeitsfernen dunklen Schein hat. Die Qual der Ausweglosigkeit lenkt auf einen Weg, auf dem konsequent Unglück auf Unglück wartet und keine Weisheit auf die Verzweiflung folgt. Waren denn alle Liebe und Zärtlichkeit umsonst gewesen, wenn sie nun zertrümmert im Ort der inneren Verwüstung liegen? Wozu noch die Sehnsucht, wenn sie nur Kummer und Gram nach sich zieht und den marternden Hass gebiert. Und wie kann es sein, dass das Heilsversprechen ein magisches Vakuum bleibt, während die Hölle unmittelbar auf Erden erfahrbar ist? Oft schon hat ein menschengemachtes Inferno ganzen Völkern das Verderben gebracht und es wird unter einem anderen Namen immer wiederkehren mit all seiner negativen Zerstörungskraft. Kein Schöpfer hält seine schützende Hand über das so zerbrechliche Leben jedes Wesens, auch die Natur wütet grausam gegen alles Lebendige, nichts ist sicher, der Abgrund lauert in jeder Sekunde überall. Die Angst vor Krankheit und Tod treibt den Menschen am Wesentlichen vorbei in die Armseligkeit der Blindheit sich mit einer trügerischen Gedanklichkeit zu bespiegeln. Der Versuch die eigenen Geschicke und die des Weltenlaufes zu verstehen, öffnet die bedrohliche Tür in den Wahnsinn und eine leidvolle Erkenntnis entzieht sich für immer dem Vergessen. Wehe dem, der sein Leben in den Händen eines lebendigen Gottes glaubt.

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