Tscherenkow-Licht

Dieses seltsam blaue Leuchten, das beim Durchgang schneller Elektronen durch Wasser hervorgerufen wird, entsteht auch in den Abklingbecken von Kernkraftwerken.
Es ist ein mystisches Blau, als wäre das Leben verstorben und nur das untote Bewusstsein würde durch den Äther geistern. Wie ein wunderschönes Menetekel ermahnt uns das kalte Schimmern, dass unsere Tage gezählt sein könnten, falls wir weiterhin glauben, die entfesselte Energie der Atome steuern zu können. Ein bläulicher Schein begleitet uns täglich auf den Bildschirmen, als würden wir uns den Himmel in die Häuser holen, durch deren Flackern uns die Außenwelt im inneren Zirkel erreicht.
So nah, dass unsere Wissenschaftsgläubigkeit ein blinder Fleck bleibt bei unserer medialen Katastrophenverliebtheit. Die Apokalypse kann jederzeit eintreten, solange wir weiterhin eine erkaltete Sonne auf die Erde holen, in Form von hunderten Atomkraftwerken mit einer noch gebändigten strahlenden Gleichzeitigkeit.
Ein Vorgeschmack des Kontrollverlustes heißt Tschernobyl, auch die Beerdigung des Reaktors in einem Steinsarg konnte seine giftige Fracht nicht endgültig zähmen. Zudem wird der Sarkophag brüchig, und ein neuer wie das anstehende Shelter-Projekt verschlingt Millionen, während das strahlende Erbe uns einen Idee von Ewigkeit im negativen Sinne gibt.
Unsere seelische Kondition hat den Anschluss an die technische Machbarkeit längst verloren, wir haben uns selbst überholt, unsere Gedankenlosigkeit offenbart die reale Möglichkeit der Selbstvernichtung.
Die sogenannte friedliche Nutzung der Kernkraft ist untrennbar verbunden mit der militärischen Handhabung, eine Trennlinie zwischen den beiden zu ziehen, ist nur ein gut funktionierender Selbstbetrug und die Verbreitung der Machbarkeit lässt das Unfallrisiko um ein vielfaches steigen.
Unsere Illusion von der sauberen und billigen Energie lässt uns weitere Reaktoren in die Welt setzten, dabei sieht die Wahrheit ganz anders aus. Ohne staatliche Subventionen und öffentliche Zuschüsse kann es sich keiner leisten, ein neues Kernkraftwerk zu bauen, außerdem übernimmt keine Versicherung den Fall eines Unglücks, das wäre viel zu teuer. Und auch der Rohstoff Uran ist nicht unbegrenzt verfügbar, vielleicht noch einige Jahrzehnte.
Die verbrauchten Brennstäbe müssen fünf Jahre in einem Abklingbecken liegen, so ausdauernd ist die Nachzerfallswärme und für die Entsorgung des radioaktiven Mülls gibt es immer noch keine angemessene Lösung. Diesen tödliche Rest schieben wir durch diverse Zwischenlager und belasten unsere Zukunft mit einer Vorahnung auf unseren Untergang.
Störfälle gibt es immer wieder, die auf menschliches Versagen zurückzuführen sind, nur dass die Folgen eben verheerend sein können, wie das Beispiel des Desasters in Fukushima uns wieder deutlich vor Augen führt.
Auch der Abbau bestehender Kraftwerke gestaltet sich als langwierig, die Aufräumarbeiten sind enorm teuer, es stellt sich die selbe Frage nach einem geeigneten Endlager, dem Wohin mit dem gefährlichen Material. Wir wissen zu wenig, wir spielen mit dem Feuer, es könnte uns verletzen, uns verbrennen, uns in das Elend stürzen, dorthin, wo die Zeit keine Wunden mehr heilt.

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