Blut-Handys

Ohne Coltan würde kein Handy funktionieren.
Das billigste Coltan und andere Mineralien kommen aus dem Ostkongo.
Es gibt wahrscheinlich kein Mobiltelefon, welches frei von diesen sogenannten Konfliktmineralien ist.
Hunderte Minen gibt es im Ostkongo und ein ganzes Netz von bewaffneten Truppen kontrolliert den Abbau, schafft das Zeug durch Händler ins Ausland und kauft von dem Erlös Waffen, um den Krieg gnadenlos fortzusetzen.
Jedes Handy und damit wir alle finanzieren somit einen Krieg im Kongo, der in den letzten 15 Jahren mehr als 5 Millionen Tote gekostet hat, mehr als 300 000 Frauen wurden in diesem Zeitraum vergewaltigt.
2007 gab es einen UN-Bericht über den Zusammenhang von Konfliktmineralien und der Herstellung von Handys, leider wurde jener Bericht nicht sonderlich beachtet.
Der weltweit größte Mobiltelefonhersteller ist Nokia, jedes dritte Handy stammt aus diesem Unternehmen, welches sich die soziale Verantwortung auf die Fahnen geschrieben hat.
Wie verlogen Nokia in dieser Beziehung ist, zeigt sich daran, dass das Problem der Konfliktmineralien seit 2001 im Unternehmen bekannt ist.
Seit 10 Jahren weiß man also, dass dieses Blut-Coltan unter menschenunwürdigen Bedingungen oft auch von Minderjährigen abgebaut wird.
Manchmal brechen die Stollen zusammen und die Minenarbeiter sterben, ein Leben zählt nichts und die Arbeit wird sehr schlecht bezahlt.
Die dortige Bevölkerung macht die Drecksarbeit, während kongolesische Geschäftsleute, die Regierung, Rebellen und andere militante Gruppen daran verdienen.
Es geht schon lange nicht mehr um Politik, sondern nur noch um das schnelle Geld.
Jedes Mittel ist recht, um zu kurzfristigem Reichtum und zu lokaler Macht zu gelangen und der Krieg scheint für diese kriminellen Strukturen das geeignetste Mittel zu sein.
Bodenschätze sind der Fluch des Kongo, solange damit Waffen finanziert werden, findet die Spirale der Gewalt kein Ende.
Obwohl das alles bei Nokia und auch bei anderen Herstellern von Handys bekannt ist, war man bisher nicht bereit, auf das billige Coltan zu verzichten.
Nokia zum Beispiel weigerte sich, eine Zuliefererkette zu veröffentlichen, angeblich aus Wettbewerbsgründen, auch sei es unmöglich den Ursprung des gekauften Coltans zurückzuverfolgen, was nicht stimmt, jedes Mineral hat eine Art chemischen Fingerabdruck.
Im August letzten Jahres wurde im US-Kongress endlich ein Gesetz verabschiedet, dass bei elektronischen Produkten die Quelle der Mineralien offengelegt werden muss.
Auch Nokia hat sich daraufhin bereit erklärt, die Umsetzung dieses Gesetzestextes demnächst zu realisieren.
Aber noch gibt es kein Gesetz, welches grundsätzlich die Verwendung von Blut-Coltan verbietet.
Doch solange sich keine breite Öffentlichkeit für diesen grauenvollen Zustand interessiert, wird sich nicht viel ändern und auch an unseren Händen klebt das Blut.

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