Wikileaks-Irak

Krieg ist zu jeder Zeit die schlimmste Katastrophe und die bitterste Niederlage der Menschheit, ganz egal, aus welchen Gründen er geführt wird oder wie man ihn nennt. Eigentlich sollte sich heute niemand mehr der Illusion eines gerechten Krieges hingeben, aber wir werden wahrscheinlich noch viele Horrorvisionen erleben müssen, der Fantasie scheint diesbezüglich keine Grenze gesetzt zu sein, wer weiß, was uns noch erwartet.
Die Enthüllungen von Wikileaks zeigen das ganze nackte Elend des Irak-Krieges in persönlichen Protokollen der dort stationierten US-Streitkräfte, eine Art Kriegstagebuch, so unmittelbar in den Details, dass es schwer fällt, sich diesen Fakten zu stellen. Aber es ist notwendig, dass alles an die Öffentlichkeit kommt, es darf nichts verschwiegen werden.
In den 400 000 geheimen Dokumenten kann man genau nachvollziehen, wie dieser Krieg im Einzelnen verlaufen ist. Es sind erschütternde Zeugnisse, die das ganze Ausmaß beschreiben und die klarmachen, dass diese von Anfang an mit Lügen begründete Invasion in keinster Weise den Weg zur Demokratie geebnet hat. Im Gegenteil, Terror und Willkür beherrschen das Land, tagtäglich wird getötet und gefoltert, es ist ein irakisches Trauerspiel.
Die Aufzeichnungen dieser Dokumente beziehen sich auf die Jahre 2004-2009 und entgegen der offiziellen Behauptung, dass man nicht wüsste, wie viele Opfer der Kampf auf irakischer Seite gekostet hat, kann man anhand der Daten dazu nun doch Aussagen machen. Wahrscheinlich sind es mehr als 100 000 Tote, davon zwei Drittel Zivilisten und fast 180 000 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. Jeden Tag gab es Bombenanschläge, die amerikanischen Truppen befanden sich in einem Gewalteinsatz, es wurde auf alles geschossen, was sich bewegte, an jeder Straßenecke passierte ein Mord, überall musste man mit Sprengfallen rechnen, die Nerven lagen blank. Der Schutz der eigenen Truppen war das oberste Ziel, das Töten von Zivilisten nur ein Kavaliersdelikt und der Tod von Zivilisten wurde auch nicht weiter hinterfragt.
Die Bevölkerung empfand die ausländischen Truppen definitiv nicht als Befreier, sondern als Besatzer, zumal die Luftangriffe überhand nahmen. Die Videos aus den Apache-Kampfhubschraubern erreichten durch Wikileaks traurige Berühmtheit, sie zeigen die Skrupellosigkeit und Kaltschnäuzigkeit der Soldaten, eben das, was der Krieg aus Menschen machen kann. Einige Soldaten hatten direkt Spaß am Töten, sie prahlten damit, wie viele Menschen sie am Tag erledigt hatten. Es sieht mitunter auch aus wie ein Videospiel auf den Computerbildschirmen, doch am Schluss lagen die Leichenteile auf den Straßen, zerstückelt von Hellfire-Raketen. Oft traf es Unschuldige, die zufällig zur falschen Zeit am falschen Ort waren. 103 Fälle von toten Zivilisten durch Luftangriffe wurden registriert, Kinder, Frauen, Männer und Alte.
Spätestens im Jahr 2007 versank das Land endgültig im Chaos, ca. 30 Bombenanschläge pro Tag waren die Regel, manche Selbstmordattentäter waren Kinder, der jüngste nur 11 Jahre alt. Diese Kinder wurden mit Geschenken gefügig gemacht und nannten sich „Vögel des Himmels“, „Kinder des Paradieses“ oder „Zelle der Kolibris“. In den Straßen es gab nur noch Mord und Totschlag, an den Checkpoints starben mehr als 800 Personen. Ständige Verhaftungen und Misshandlungen waren an der Tagesordnung, bis zu 180 000 Iraker wurden inhaftiert und es wurde massiv gefoltert.
Die Vorfälle in Abu Ghuraib waren nur ein Teil des unglaublichen Schreckens, 300 Fälle von Misshandlungen wurden nach diesem Skandal schriftlich festgehalten. Dazu sind noch 1800 Fälle von Folter in den Gefängnissen dokumentiert und zwar meistens ausgeführt von Irakern an Irakern, also den Behörden, die von den Amerikanern ausgebildet wurden. 32 500 ermordete Zivilisten, darunter 164 Kinder, gehen auf das Konto der irakischen Armee und Polizei, davon 10 000 Tote mit Kopfschüssen und 439 Enthauptungen. Jeden Tag wurden 100-150 Leichen aus den Flüssen geborgen, viele von ihnen wiesen Spuren der Folter auf, sie waren verstümmelt, mit Bohrlöchern übersät oder mit Kabeln geknebelt.
Die irakischen lokalen Milizen erwiesen sich als wahre Todesschwadrone und wie zu Zeiten Saddam Husseins wurde und wird auf grausamste Weise gefoltert, gemordet, verschleppt und erpresst. Alte Rechnungen der Clans werden beglichen und die Kluft zwischen Schiiten und Sunniten vergrößert sich zusehends, das Land spaltet sich weiterhin in eine unversöhnliche Richtung.
Ursprünglich wurde dieser Krieg mit den Begründungen begonnen, dass es im Irak Massenvernichtungswaffen gibt und die Saddam-Regierung enge Beziehungen zu Al-Qaida hätte. Doch weder Massenvernichtungswaffen wurden gefunden, noch gab es die besagte Verbindung zu der Terrororganisation, erst mit diesem Krieg kam Al-Qaida ins Land. Das lässt ich auch anhand der Dokumente zeigen, 2004 wurde Al-Qaida nur 7 mal erwähnt, während es 2008 schon 8500 Einträge gab. Inzwischen gehen viele Morde auf das Konto von Al-Qaida, Irak ist ein gewalttätiger Ort mit einer korrupten politischen Elite und kriminellen Strukturen. Bis heute gibt es pro Tag ca. 200 Beerdigungen, viele sind Opfer von Anschlägen und die meisten werden als „unbekannt“ begraben.
Dieser Krieg ist wie jeder Krieg brutal und blutig, ein fortwährender Alptraum, das beweisen die Dokumente von Wikileaks, es gibt daran nichts zu beschönigen. Warum auch immer dieser Krieg begonnen wurde, ob für Öl und Einfluss in dieser Region, ein Ende des Gemetzels ist nicht in Sicht.

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