Archive for Januar 2011

Bradley Manning

Januar 28, 2011

Bradley Manning ist ein sehr junger Mensch, erst 23 Jahre alt.
Er ist in einem Alter, in dem man nur schwer die Konsequenzen des eigenen Tuns einschätzen kann.
Manning war Obergefreiter der US-Streitkräfte und im Irak-Krieg von Mitte 2009 bis Mai 2010 stationiert. Danach wurde er verhaftet, verbrachte eine kurze Zeit in Kuwait im Gefängnis und wurde dann nach Virginia in eine Militärbasis gebracht, in der er bis heute im dortigen Gefängnis festgehalten wird. Der Vorwurf gegen ihn lautet Geheimnisverrat und unerlaubtes Übertragen von geheimen Informationen. Ihm drohen bis zu 52 Jahre Haft, das heißt, sein Leben wird wahrscheinlich zerstört sein.
Derzeit sitzt er in einem Supermax-Gefängnis, eine Art Hochsicherheitsverwahrung, gedacht für Schwerstkriminelle. Für Manning bedeutet das Isolationshaft in einer kleinen videoüberwachten Zelle mit ein paar Möbeln aus Stahlbeton, in der er 23 Stunden am Tag zubringen muss. Er wird mitunter alle 5 Minuten gestört und so künstlich wachgehalten, er bekommt keine normalen Kissen und Decken, nichts Persönliches darf er besitzen, er hat kaum Kontakt zur Außenwelt. Dabei ist er noch nicht einmal verurteilt, sondern nur auf Verdacht hin unter Umständen eingesperrt, welche zu massiven seelischen und körperlichen Schäden führen können.
Ob sich Manning der Tragweite, vor allem den Folgen für sich selbst, wirklich vollständig bewusst war, darüber kann man nur mutmaßen, als er die Daten aus dem sogenannten „roten Netz“ für sich herunterlud und diese dann, wie er selbst in einigen Mails preisgab, an die Website Wikileaks weiterleitete. Er ist nicht nur ein sehr neugieriger Mensch, sondern er fühlte sich in der Armee als ein Außenseiter. Und er hatte eben einfach die Möglichkeit des unbegrenzten Zugangs in jene geheimen Netze, anscheinend konnte er dieser Versuchung nicht widerstehen.
Dass Manning überhaupt Zugriff auf diese Daten hatte, hat mit der Informationsbündelung und den nachlässigen Sicherheitsvorkehrungen bestimmter Netzwerke des US-Verteidigungs- und Außenministeriums zu tun. Immerhin haben auf die als „secret“ eingestuften Informationen ca. 2,5 Millionen Leute Zugriff, darunter Beamte der Ministerien und Militärs, auf die als „top-secret“ benannten Daten sind es noch ca. 850 000 Personen, auch private Firmen, die für die US-Regierung arbeiten.
Die schockierenden Videos aus den beiden Kriegen im Irak und Afghanistan, ebenso 75 000 Geheimpapiere über den Krieg in Afghanistan und 400 000 Feldprotokolle der amerikanischen Streitkräfte aus dem Irak-Krieg gehen möglicherweise auf Manning zurück. Auch für die Veröffentlichung der Depeschen von US-amerikanischen Botschaften durch Wikileaks soll Manning die Quelle sein.
Für Manning muss es auch ein gewisser Spaß gewesen sein, die Geheimhaltung zu umgehen und seine Vorgesetzten auszutricksen und er hatte wohl auch im Sinn, laut einer Mail von ihm, „einen perfekten Sturm“ zu entfachen. Das ist ihm mit der Weitergabe der Daten an Wikileaks durchaus gelungen, dafür muss er nun teuer zahlen. In Julian Assange hat Manning zufällig die perfekte Ergänzung gefunden, obwohl sich beide sicher nie begegnet sind oder sonst irgendeinen persönlichen Kontakt hatten. Das war auch gar nicht nötig bei der speziellen Funktionsweise von Wikileaks.
Die Rache für die Demütigung der Supermacht USA ließ nicht lange auf sich warten. Manning machte den Fehler, diese Dinge in einem Chat auszuplaudern und jemand meldete diesen Vorfall an die US-Behörden, Manning wurde sofort verhaftet. Auch Assange sollte büßen, die Behörden erklärten ihn zum Staatsfeind. Politiker und öffentliche Personen riefen sogar zum Mord an ihm auf, er sei ein Ziel wie die Taliban, ein Terrorist, man sollte ihn umbringen, erschießen, mit einer Drohne beseitigen oder ihn wenigstens ins Gefängnis nach Guantanamo sperren. Juristen wurden beauftragt, eine Anklage gegen Assange auszuarbeiten, man brauchte Beweise gegen ihn. Also setzte man Manning unter Druck, dass Assange ihn zum Geheimnisverrat angestiftet haben soll, so hätte man eine Handhabe gegen Assange.
Ausgerechnet im Mutterland der Meinungsfreiheit wird versucht, das Recht zu verbiegen, um unliebsame Querköpfe bestrafen zu können. Diesen Guantanamo-Faktor der US-Politik hat Barack Obama von seinem Vorgänger übernommen und er wird dieses Erbe nicht los. Die Frage ist, ob er es überhaupt kann und will. Die Haftbedingungen für Manning sind furchtbar und extrem hart, es grenzt an Folter, die „weiße“ Folter. Die Jagd auf Assange entspricht ebenfalls nicht den Normen einer Demokratie, die sich dem Schutz der Menschenrechte verpflichtet hat.
Werden diese Errungenschaften der menschlichen Zivilisation weiterhin verraten und auf´s Spiel gesetzt, kann uns irgendwann die Basis für unsere Freiheit entzogen werden. Dann regiert nur noch die Willkür und die Macht erhält ihren Schrecken wieder, dem sie ohne Transparenz und Teilhabe durch die Bürger, verfallen kann. Das hieße nichts anderes als stete Gewalt und Krieg um jeden Preis.

Mutterfinsternis

Januar 18, 2011

Keine offene Tür, kein Halt nirgends,
meine Gestalt zieht mich in die Ferne von mir,
suche ich mein Gesicht, bleibt es schwarzleer,
keine Rolle zu spielen, keine Rolle zu sein,
das Spatzkind, das Spielkind geblieben,
nicht Tochter, nicht Frau, nicht Geliebte geworden,
eine Todesmutter waltet in meinem Leib,
meine Rache als die ewige Selbstmörderin,
Untochter, Dunkelfrau und Vergeliebte,
Frucht eines unbedachten Augenblicks,
immer nur die Saat des eigenen Schreckens,
alle Sehnsucht vernichtend in jedem Moment.

Schutzlos

Januar 11, 2011

Du bist mein schwach gegliedertes Stück Moos,
mein winzig kleines wirres Stabheuschrecklein,
jeder Tropfen des Regens kommt mit Macht über Dich,
der Wind legt seine dunklen Gewänder in die Wolken,
nur manchmal liegt der Schnee orange in der Bergen,
dann klebt Dein zartes Glück an den atmenden Lüften,
so ganz leichtfüßig wandern die Seesterne am Boden,
und die Dinge wollen sich mit ihrer Giftigkeit wehren,
nicht viele Tage bleiben Dir in der Tiefe meiner Sinne,
es geht jedoch nichts verloren, aber alles vorbei.