Archive for November 2009

Sanft

November 21, 2009

Was sanft meine Wangen berührt,

es sind meine Tränen, nicht Deine Hände,

was sanft meine Lippen berührt,

es sind meine Tränen, nicht Dein Kuss,

was sanft meine Haare berührt,

es ist der Wind, nicht Dein Atem,

was sanft meine Gedanken berührt,

es ist Dein Name, Dein Schweigen,

was sanft meinen Körper berührt,

es ist der Wind, der mich zum Wasser zieht,

was sanft meine Füße berührt,

es ist der feine Sand des nahen Ufers,

was sanft mein junges Leben berührt,

es ist Hoffnung, die mich zugrunde richtet,

sanft sind meine Tränen, sanft das Ertrinken.

Wall

November 6, 2009

zwischen den Meeren, die ungleich an Strömung sich barsten, am Beton der gnadenlosen Willkür der Geschichte,

bleiern das eine, mit Schlingpflanzen aus Lügen und Träumen, das karge Nachtquartier mit Obdachgarantie,

schimmernd das andere, mit unbekannter Tiefe, der ewige Sehnsuchtsretter für die Unentschiedenen,

die Ferne war meine Sicht, vom Scheitern bedroht, in den Strudeln der Überwachung und des grauen Verlebens,

nie eine Rückkehr war die Frucht meiner Angst, die sich durch meine verlassene Kindheit fraß,

unreif fiel sie mir vor die Füße und ich aß sie bitter, doch blendend süß war das andere Gewässer,

wie auf dem Schaukelpferd tanzten meine Sinne, erleichtert meiner Herkunft entflohen zu sein,

die schwerste Hürde glaubte ich genommen zu haben, so glühend im Innern und ohne schützende Hülle,

weit war das Gewesene, nur die Trauer umschlich mich, in den giftigen Nächten des Vergessenwollens,

als der Staudamm plötzlich hinweggejubelt wurde, verfolgten mich die Ahnungen der Friedlosigkeit,

zu gegensätzlich waren die Gewässer im Erwartungsdruck, eine rasche Verbindung würde so manchen in den Abgrund reißen,

ich wähnte mich in Sicherheit, hatte einen geringen Vorsprung, in einem Seerosenteich schwamm ich, voll von Blüten,

doch der Duft meiner neuen Heimat war flüchtig und bodenlos, mein Grübeln verfing sich in den krakenhaften Stielen,

es zog mich hinaus in das offene Meer jener Hoffnungen, die mit jedem Atemzug die eigene Zukunft verderben,

auf der Spur der Vergeblichkeit führte mein Pfad ins Nirgends, die Versunkene, ich, mein Denkmal aus Knochen und Wort.