Mein Jerusalem-Syndrom

In mir verschlingt mich ein Abgrund,
Berge von abgemagerten Leichen,
einst mit Baggern in den Gräben verscharrt,
die bleiben um mich herum liegen,
lassen mich auf jedem Weg stolpern.
Eines Tages wird es leicht sein.

Die Toten greifen nach meinen Gedanken,
zerren mich ziellos nach allen Seiten,
peitschen meinen Körper durch die Straßen,
ihre Augenhöhlen starren mich furchtlos an,
ihre Münder singen mir das Lied der Vergeblichkeit.
Eines Tages wird es leicht sein.

In den Öfen lodert noch immer das Feuer,
durch meinen Atem wandert die Glut,
aus den Lüften regnet die Asche hinab,
blendet meinen Blick für die Zukunft,
grau und bleischwer ist das Wasser.
Eines Tages wird es leicht sein.

Durch endlose Baracken muss ich ziehen,
die Räume voll von dunklen Haaren,
goldenen Zähnen, blitzenden Brillen,
wie Schlangen die Akten aus beschriebenen Papier,
der Abdruck des Sterbens aus Tinte so schwarz.
Eines Tages wird es leicht sein.

Ich will mein Kreuz nicht tragen können,
ich werde meine Adern aufschneiden,
das alte noch wirksame Gift schlucken,
ich werde mir den Strick um meinen Hals binden,
mir eine Kugel in meinen Kopf jagen.
Eines Tages wird es leicht sein.

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