„Sechs-Vier“

Über die 50 Tage des Rufes nach Freiheit in China lastet seit 20 Jahren offiziell noch immer ein eisiges Schweigen darüber.

In keinem Schulbuch und auch nicht in den Medien wird dieses Geschehen erwähnt, noch darf darüber straflos öffentlich diskutiert werden.

Auch wenn alle davon wissen, die Regierung will jegliche Erinnerung daran durch die Stummheit ihres Volkes zum Verschwinden bringen.

Doch das funktioniert ebenso wenig wie ein stählerner Mantel, der einen verunglückten Reaktor umklammert.

Der traumatische Inhalt strahlt fortwährend weiter, ohne Vergänglichkeit, mit der Ahnung einer Wiederkehr.

Wenn auch die Widerspenstigkeit der Jugend mit materiellen Zugeständnissen gedämpft wird, die Alten können die Jungen mit diesem Schreckgespenst nicht ewig töten.

Damals war die Statur der Göttin der Demokratie hoch genug, um einen langen Schatten über das Portrait von Mao zu werfen, wenn auch nur für drei Tage.

Der Schmerz über begrabene Hoffnungen wuchert in den Seelen weiter, in den anklagenden Müttern, die ihre Kinder verloren haben.

In den Schwestern und Brüdern und auch in den jungen Soldaten, die befehlsgehorsam mit Waffengewalt gegen ihre gleichaltrigen Landsleute vorgingen.

Auszulöschen sind diese Bilder nicht, von den Tausenden, die zuversichtlich und friedlich ihre Zukunft selbst gestalten wollten.

Von den heranrückenden Armeeeinheiten, die diesen Protest gegen staatliche Willkür in ein Chaos verwandelten und es zu Ausschreitungen kam.

Von den Panzern, denen sich ein Einzelner todesmutig entgegenstellte, die jedoch nicht wichen und die Menschen überrollten.

Die vielen Toten und Verletzten, wie ein Schlachtfeld, die unfassbare Tragödie, die vor den abwartenden Augen der gesamten Welt geschah.

Der brennende Platz, der den himmlische Frieden besingt, aber auf dem der irdische Frieden aufs Grauenvollste missachtet wurde.

Alle Gedanken an dieses Massaker werden nie ein letztes Wort finden und die Sprache der Mutigen wird eines Tages die Flamme des Rechts entzünden.

Für Zhang Shijun

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