Tera

Das Ungeheuer mit vielen Facetten lauert in jedem Winkel unserer Welt,

eine Vernichtungsmaschine, die seit Menschengedenken gegen uns arbeitet

und der wir mehr dienen als wir es je für eine Gottheit getan haben.

Durch die Geschichte schleicht sich Tera vom Sterben auf dem Schlachtfeld,

zum Verbluten durch die Kugel, durch den Bombenhagel, bis zum Feuerball,

aus dem das Verlöschen regnete und tausende menschliche Schatten in die Steine schmolz.

Danach erschien der atomare Schrecken mehr als 500 Mal, der die Sonne abrupt erblassen ließ.

Und der gesamte Himmel wurde schließlich giftig.

Man entschied, unter der Erde seinem Götzen die Pflicht zu erweisen, über 1500 Mal.

Unsichtbar scheint es auf diese Art zu schweigen, Tera versus Terra.

Bis es gewandelt erneut in unser Bewusstsein kroch.

Lautlos hatte es sein titanisches Maul aufgesperrt,

nachdem es die Decke des Kernreaktors Block IV in Tschernobyl sprengte.

Der zersplitterte Krater zeichnete seine Macht auf die geschundenen Körper.

Dem Sterben wieder das Tor öffnend spukt seine Gier durch die folgenden Jahrhunderte.

Haut- und haarlos nimmt es fortwährend den Tod an die Hand,

Geisterhäuser pflastern seinen unheimlichen Weg.

Es wartet geduldig auf den Supergau, mit seinen Dienern, ca. 23000 Atomsprengköpfe.

Die sind gefechtsbereit und liegen wie angerostete Gestalten in den Arsenalen.

Ihr Erbeben ist eine Frage des Zufalls oder unserer Ermüdung.

Tera hat sich bleibend um die Erde und in unsere Gehirne gewunden.

Seine Zeit kennt keine Dauer, es ruht nie, das Abschlachten geht immer irgendwo weiter.

Sein Bann bleibt ungebrochen, suggeriert es doch für den Augenblick Macht über das Leben

und die Liebe zum Tod durch haltlose Versprechungen auf Erlösung.

Mörder erschaffen sich unmaskiert anerkennende Bestimmung,

Bomben an Leibern erschüttern das Wort und den Sinn.

Die Gewalt radiert die vielstimmige Partitur des Lebens aus,

und der Terror ist der klare Maßstab unserer Einsichten geworden.

Genau so einfach ist das Töten, keine Berührung ist nötig,

nur die Präzision auf einem Kriegsbildschirm,

der Feind ist nur ein Tier in der Ferne.

Waffen werden überallhin verschoben,

in den Augen der Händler glüht der Reichtum,

bis alle ihre Söhne sich damit zerstören,

ihre Töchter vergewaltigt werden,

die Handlungsweisen nur noch Folter sind.

Kinder lynchen die Erwachsenen im Rausch,

Massaker sind kein Spiel mit dem Feuer,

sie geschehen an vielen Orten ungestraft.

Wir atmen die Vorboten eines Kollaps.

Niemand schützt uns vor unseren frühen Gräbern.

Tera ist die Konstante, die unsichtbare Hand,

an deren Schutz wir immer noch glauben.

Es ist das Gesetz wider dem Geist

und doch beherrscht es die Gedanken,

krallt sich fest als Rache für unsere Ohnmacht

und schöpft sich aus der Sucht nach dem Mehr-Sein,

das Ich kann sich selbst nie genügen.

Groß ist die Trauer über die Existenz der menschlichen Freiheit.

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