Archive for Oktober 2008

Krank, Krieg, Krebs und Koma

Oktober 14, 2008

Ist es zu begreifen, dass ein Mörder, der nur einen Menschen umgebracht hat, mit allen Mitteln verfolgt und dafür verurteilt wird, ein Staatsmann aber oder einer, der sich dafür hält, hunderte, vielleicht tausende Menschen ermorden lässt, nicht dafür belangt oder bestraft wird?

Dieser Regent erfährt dafür oft auch noch Achtung und Ehre und erhält zum Dank eine beständige Masche im Mantel der Geschichte.

Das soll nicht heißen, dass ein einzelner Mord nicht gesühnt werden soll, aber fast könnte man meinen, je mehr Leute man umbringt, umso weniger muss man sich vor einer Bestrafung fürchten.

Über den Mörder fällt die Meute wie ein Geier her, wie ein Küken schaut sie voller Bewunderung zum Staatsmann auf. Hörig und somit der Last des Eigensinns enthoben, läuft sie blind jubelnd in den toten Winkel ihres Gehirns. Immer weiter rast sie in ein Feindbild hinein und verrät das Glück ihrer Friedfertigkeit. Wie ein Kranker, der krank sein will.

Und wie krank sind erst diese Staatsmänner, die glauben, dass sie Entscheidungen über Leben und Tod fällen dürfen. Es ist eine Anmaßung, zu denken, sie allein dürften darüber bestimmen, wie die Welt auszusehen hat.

Einen anderen, der solche Gedanken äußert, würde man in die Psychiatrie einweisen, man sähe in ihm eine Gefahr für die Menschen und würde ihn für unzurechnungsfähig erklären.

Die Oberhäupter handeln aber dementsprechend, führen mal eben Kriege, opfern tausende von Menschen für ihre Schlachten. Eine ganze Maschinerie von Militärs und Waffen ist im Einsatz und verschlingt Unsummen an Geldern.

Das wird auch allgemein akzeptiert, und das Mitläufertum marschiert ungebremst in jegliche Falle.

Und ist der Krieg erst einmal im Gange, dann lässt er sich nur schwer wieder beenden. Er herrscht gnadenlos und jeder wird ein Sklave seiner zerstörerischen Macht. Ganz gleich, ob es sich um Sieger oder Besiegte handelt, die Wunden in den Seelen bluten weiter. In den nächtlichen Träumen tanzen die Geister der Barbarei ihren Hexentanz mit einem Hohngelächter, dass der innere Irrgarten nach neuer Mordlust schreit.

Wie Krebsgeschwüre fressen sich die Kriegserinnerungen durch die Generationen, doch die Fehler werden nur noch perfektioniert. Solange, bis die gesamte Zivilisation ins Koma fällt. In einen Dämmerschlaf, der alle Liebe und Menschlichkeit vernichtet hat.

Dann vegetieren wir in der ewigen Hölle, in der die Dämonen kichern:

„Das war´s! Was macht ihr auch so eine Scheiße!“

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Gott

Oktober 10, 2008

Wer an ihn glaubt, bezweifelt eigentlich nicht, dass Gott allmächtig, allwissend und allgütig ist.

Aber wir erfahren täglich, dass unsere Welt so überhaupt nicht diesem Ideal entspricht.

Warum hat Gott die Welt in dieser Form ans Licht gerufen, wenn er doch auch eine bessere hätte ersinnen können?

Wieso konnte und kann ein Gott so viel Elend zulassen?

Weshalb leben wir auf so einem grausam schönen Globus?

Unser Kopfzerbrechen darüber mündet in Ratlosigkeit.

Aber wenn Gott allmächtig ist, dann wäre es ihm möglich, einen Stein zu erschaffen, den er selbst nicht zu heben in der Lage ist.

Und er hat die Option diesen Stein zu schaffen, den er nicht heben kann, es steht in seiner Macht, eben diese auch freiwillig zu beschränken.

Dieser Stein, den er nicht mehr heben kann, das sind wir Menschen.

Wir sind etwas, das sich außerhalb seiner Kontrolle befindet.

Er wusste doch, was er tat, für uns seine Allmacht aufzugeben, auch wenn er ahnte, dass wir Menschen uns selbst unser Unglück bereiten.

Seine Güte hat er uns bewiesen, indem er uns die unbegrenzte Freiheit des Lebens schenkte.

Und das mit allen Konsequenzen, mit den vollen Vertrauen, dass wir uns ihm würdig erweisen.

Aber das bedeutet auch, dass wir im Leben allein sind, schutzlos, völlig auf uns gestellt.

Es ist niemand da, der uns hilft, es ist nur jemand da, der auf uns setzt.

Wir entscheiden selbst darüber, wie wir handeln, und wir haben die absolute Verantwortung dafür.

Für all die Desaster und Katastrophen unseres Daseins.

Für unsere Gier, unsere Verachtung, unseren Hass, unsere Kriege, das gegenseitige Töten.

Auch für unsere Anmaßung eines Anspruchs auf Wahrheit einer jeglichen Religion, die uns somit mehr trennt, als sie uns vereint.

Nicht umsonst ist uns die Gabe der Mitmenschlichkeit, der Erkenntnis und der Würde gegeben, mit einem göttlichen ambivalenten Hauch beseelt, der sich durch die Liebe, aber auch durch deren Qualen, spiegelt.

Das Wesen unserer Welt ist die Ohnmacht Gottes.

Sein Leiden macht unser Leiden nicht sinnvoller, aber es lässt uns hoffen.

Unsere Lebenszeit ist genauso begrenzt wie ein Stein in seiner Ausdehnung.

Erst mit dem Tod lösen sich diese Fesseln, und wir sind ganz bei dem, was wir Gott nennen dürfen.

Bei unserem einzigen Ziel, das zu erreichen wir geboren wurden und welches uns trotz allem, was wir auf Erden getan haben, nach dem Sterben erwartet:

Frieden.

Tera

Oktober 5, 2008

Das Ungeheuer mit vielen Facetten lauert in jedem Winkel unserer Welt,

eine Vernichtungsmaschine, die seit Menschengedenken gegen uns arbeitet

und der wir mehr dienen als wir es je für eine Gottheit getan haben.

Durch die Geschichte schleicht sich Tera vom Sterben auf dem Schlachtfeld,

zum Verbluten durch die Kugel, durch den Bombenhagel, bis zum Feuerball,

aus dem das Verlöschen regnete und tausende menschliche Schatten in die Steine schmolz.

Danach erschien der atomare Schrecken mehr als 500 Mal, der die Sonne abrupt erblassen ließ.

Und der gesamte Himmel wurde schließlich giftig.

Man entschied, unter der Erde seinem Götzen die Pflicht zu erweisen, über 1500 Mal.

Unsichtbar scheint es auf diese Art zu schweigen, Tera versus Terra.

Bis es gewandelt erneut in unser Bewusstsein kroch.

Lautlos hatte es sein titanisches Maul aufgesperrt,

nachdem es die Decke des Kernreaktors Block IV in Tschernobyl sprengte.

Der zersplitterte Krater zeichnete seine Macht auf die geschundenen Körper.

Dem Sterben wieder das Tor öffnend spukt seine Gier durch die folgenden Jahrhunderte.

Haut- und haarlos nimmt es fortwährend den Tod an die Hand,

Geisterhäuser pflastern seinen unheimlichen Weg.

Es wartet geduldig auf den Supergau, mit seinen Dienern, ca. 23000 Atomsprengköpfe.

Die sind gefechtsbereit und liegen wie angerostete Gestalten in den Arsenalen.

Ihr Erbeben ist eine Frage des Zufalls oder unserer Ermüdung.

Tera hat sich bleibend um die Erde und in unsere Gehirne gewunden.

Seine Zeit kennt keine Dauer, es ruht nie, das Abschlachten geht immer irgendwo weiter.

Sein Bann bleibt ungebrochen, suggeriert es doch für den Augenblick Macht über das Leben

und die Liebe zum Tod durch haltlose Versprechungen auf Erlösung.

Mörder erschaffen sich unmaskiert anerkennende Bestimmung,

Bomben an Leibern erschüttern das Wort und den Sinn.

Die Gewalt radiert die vielstimmige Partitur des Lebens aus,

und der Terror ist der klare Maßstab unserer Einsichten geworden.

Genau so einfach ist das Töten, keine Berührung ist nötig,

nur die Präzision auf einem Kriegsbildschirm,

der Feind ist nur ein Tier in der Ferne.

Waffen werden überallhin verschoben,

in den Augen der Händler glüht der Reichtum,

bis alle ihre Söhne sich damit zerstören,

ihre Töchter vergewaltigt werden,

die Handlungsweisen nur noch Folter sind.

Kinder lynchen die Erwachsenen im Rausch,

Massaker sind kein Spiel mit dem Feuer,

sie geschehen an vielen Orten ungestraft.

Wir atmen die Vorboten eines Kollaps.

Niemand schützt uns vor unseren frühen Gräbern.

Tera ist die Konstante, die unsichtbare Hand,

an deren Schutz wir immer noch glauben.

Es ist das Gesetz wider dem Geist

und doch beherrscht es die Gedanken,

krallt sich fest als Rache für unsere Ohnmacht

und schöpft sich aus der Sucht nach dem Mehr-Sein,

das Ich kann sich selbst nie genügen.

Groß ist die Trauer über die Existenz der menschlichen Freiheit.