Gute Miene zu bösem Spiel

Wenn ein Spaziergang durch dichtes Gras auf einer Mine endet, fehlt einem etwas, ein oder zwei Beine, vielleicht ein Arm oder gleich der Rest des Lebens, von einem Moment auf den anderen.

Das passiert ständig in dieser Welt, vor allem trifft es Kinder beim Spielen. Sie werden in der Luft zerrissen und ihre kleinen Körper liegen in Stücken auf dem blutigen Boden.

Falls sie überleben, müssen sie ihr trauriges Dasein eher fristen als ein würdiges Leben zu führen. In ihren Augen stehen permanent die Tränen und die Frage nach dem Warum.

Jeder findet das schrecklich und schlimm, wenn er diese Fotos sieht. Die armen Menschen, so etwas will doch keiner und schon gar nicht die verstümmelten Kinder sehen müssen.

Es gibt Tausende davon und jedes Jahr kommen Tausende hinzu, auch wenn sie weit weg sind von unseren Wohnzimmern.

Aber auch wir haben diese Verstümmelung ihrer Körper und Seelen zu ihnen gebracht in Form von Landminen und Streubomben und das jahrzehntelang.

Es war doch Krieg, lautet das gängige Argument, der Feind muss mit allen Mitteln bekämpft werden. Und gerade Streubomben haben eine erwiesene militärische Nützlichkeit, meinen die dafür verantwortlichen Streitkräfte.

Nur merkwürdig, dass diese Streubomben die einzige Waffe ist, die eine Versagerrate von bis zu vierzig Prozent hat. Welcher Kriegsherr würde normalerweise so eine Ausschussquote dulden?

Wie ein schlimmer Regen stürzen die Teile hinab, wenn sich die Bombe in der Luft geöffnet hat. Einige von den Minisprengsätzen detonieren in der Luft, aber viele verteilen sich nicht detoniert über ein riesiges Gebiet. Da liegen sie dann und warten hinterhältig, bis sie jemand berührt.

Und gerade das ist es, was die Streubombe anscheinend so außerordentlich beliebt macht bei den Militärs. Es gefällt ihnen wohl zu wissen, dass die Bomben allein nicht ausreichen. Es müssen auch noch die kleinen Blindgänger auf den Wiesen liegen, die die Einwohner in Stücke reißen.

Sie sind nichts anderes als Minen, auch wenn man diese schon vor einigen Jahren mit der Ottawa-Konvention verboten hat. Allerdings galt das nur die Antipersonen-Minen.

Anti-Fahrzeugminen, Fernminen und Flächenverteidigungsminen sind immer noch erlaubt. Nur können diese Minen nicht zwischen einem Schulbus und einem Panzer unterscheiden. Und Anti-Panzerminen enthalten häufig auch weiterhin noch Anti-Personenminen zum Räumschutz.

Es liegen wahrscheinlich noch mehr als einhundert Millionen Minen in ca. vierzig Ländern in der Erde. Und täglich werden Menschen dadurch verletzt und getötet, meistens Frauen und Kinder.

Fleißig werden weiter neue Minen-Systeme produziert, miteinander kommunizierende und hüpfende, die nicht verboten sind. Der Einfallsreichtum der Waffenproduzenten ist immens. Vor allem sind diese Waffen ein sehr einträgliches Geschäft. Außerdem findet man immer einen Ausweg, um Verbote zu umgehen.

Doch nun soll es auch der Streubombe an den Kragen gehen. Diesmal hat man sich in Dublin einigen können, diese grausame Streumunition verbieten zu wollen.

Noch ist das Abkommen nicht rechtskräftig. Die jeweiligen Regierungen müssen noch grünes Licht geben, bevor es in Oslo unterzeichnet werden kann.

Aber man fragt sich doch, wieviel Menschenverachtung dahinter steht, dies nicht zu tun?

Nicht nur, dass Russland, was nicht überrascht, China, genauso, Pakistan und Indien, sehr traurig, Israel, auch nicht sehr sympathisch, sondern eben auch die USA, angeblich die große Stimme der Demokratie und Freiheit, überhaupt nicht an dieser Konferenz teilgenommen haben, sondern auch Deutschland windet sich, eine klare Position zu beziehen.

Eine Art deutscher Dreistufenplan wurde vorgelegt mit Übergangsphasen. Es gäbe nicht ausreichend andere Munition, heißt es, für Einsätze mit hoher Intensität und zur kollektiven Verteidigung.

Was haben die denn eigentlich vor?

Wie fühlen sich die Chefs von den Firmen Diehl, Rheinmetall und die von Daimler kontrollierte EADS, die solche Streubomben produzieren?

Deutsche Wertarbeit wird wohl immer noch weltweit geschätzt, auch tödliche.

Und deutsche Geschichte und die Verantwortung, die daraus erwächst, wird feierlich an Gedenktagen zu Markte getragen in den von der Macht zermürbten Gesichtern unserer Politiker. Sie wissen, was sie zu verbergen haben.

So verlogen ist dieses Spiel, das leider keines ist, weil es so bittere und ernste Folgen für so viele Menschen hat. Und wie nehmen das so hin, es betrifft uns nicht weiter.

Was würde sein, wenn wir hier nicht mehr unbeschwert über unsere Felder streifen könnten?

Wenn unsere Kinder nicht mehr spielen könnten, wo sie wollten?

Wenn sie blutüberströmt nach Hause kämen oder gar nicht mehr?

Würden wir immer noch die Hersteller von Minen und Streubomben gewähren lassen?

Würden wir weiterhin lächeln können?

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