Schöne Schlachten

Politiker geben vor, keinen Krieg zu wollen, nur den Frieden und die Freiheit.

Durch diesen selbsternannten Idealismus rechtfertigen sie jede kriegerische Handlung.

Mit Hilfe der Medien nehmen sie ihr Volk als eine Geisel in unmündigen Gewahrsam.

Der Glauben wird als Vertrauensbasis propagiert und darf nicht angefochten werden.

Und die Welt teilt sich in die unsinnige Schlichtheit von Gut und Böse.

Das Leben scheint wieder übersichtlicher und eindeutiger zu sein.

Es gibt endlich das fragwürdige Glück des Dafür und Dagegen.

Komplexität wird wie der Zweifel an die Kette der ewig Gestrigen gelegt.

Jegliche Hinterfragung der Presse wir als feindliche Komplizenschaft angesehen.

Es wird felsenfest behauptet, dass der Krieg der einzige Ausweg ist.

Die neuesten Tötungstechnologien warten schon auf ihren Einsatz.

Simulierte Gefechte am Computer sind auf Dauer nicht zufriedenstellend.

Das Vergnügen tritt erst dann ein, wenn es ein echtes Gemetzel gibt.

Dabei wird zivilisiert exakt mit Präzision und Sorgfalt vorgegangen.

Und der Tod sieht aus der Ferne wie ein heller Lichtblitz aus.

Es sind die Sterne am Boden der Wüste, am Gemäuer der Städte.

Bombardements werden als ein Akt der Nächstenliebe begriffen.

Die Wiege des Heldentums als Ort in der Geschichte schaukelt kalkuliert und fordernd.

Der Mythos von den genauen Berichten darüber ist gleich mit eingebettet.

Soldaten werden zu unerschütterlichen Kampfmaschinen stilisiert.

Junge Gier nach Selbsterfahrung kennt kein endgültiges Schicksal.

Das menschliche Leid ist im gesellschaftlichem Tabu eingekerkert.

Bilder von Verstümmelten, Verkohlten sind unpopulär und irrelevant.

Der reale Schnitt in eine Landkarte muss sauber verkauft werden.

Doch die Technik hat den dreckigen Krieg noch nicht ganz verdorben.

Im Häuserkampf lauern immer noch der schnelle Herzschlag und der flache Atem.

Waffen in den rauen Händen schafft den raschen Hauch von Allmacht, die sich ganz einer bestialischen Würdelosigkeit übereignet.

Die Zeit ist ganz dem Jetzt verfallen und reibt sich närrisch an der Zukunft.

Auslöschen von Leben ist so elementar wie Hunger und Durst geworden.

Ein Problem ist immer das Töten eines einzelnen Menschen.

Der Mord an Tausenden jedoch ist bloß Historie.

Nach der Schlacht ist vor der Schlacht.

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