Wir und Burma

Die Zustände in Burma sind so unsagbar schlimm, aber trotzdem sieht man in den dortigen Gesichtern immer noch eine tiefe Demut, das Leid zu ertragen.

Sie warten ohne Obdach an den Straßenrändern und hoffen auf Hilfe. Aber da kommt kaum etwas an. Die Regierung gab ihrem Volk nicht mehr als ein Kilo Reis pro Familie, wenn überhaupt, sie könnten doch Frösche essen. Und so sitzen sie tagein, tagaus und warten und hoffen und schweigen in Trauer um ihre vielen Angehörigen.

Die Flüsse sind voller Leichen, die Häuser nur noch Schuttberge, die Pagoden zerstört, nur einzelne Buddhas ragen in den trüben Himmel.

Hunger, Hunger, immer wieder Hunger, Durst und Furcht vor der nächsten Katastrophe sind die Realitäten. Das Saatgut ist verfault, kein neues in Sicht, das heißt im Klartext:

Weiter nichts als Hunger.

In der Heimstadt der Könige, so heißt die neue Hauptstadt Burmas, schließt sich die Militärjunta mit ihrem Reichtum in ihre eigene Welt ein. Als kürzlich eine Tochter des Regierungschefs, der sich Herrscher des Universums nennt, heiratete, war sie über und über mit Brillianten behängt.

Die Militärs plündern weiter das Land und das mit Hilfe von fast einhunderttausend Kindersoldaten, billige und willige Werkzeuge ihrer Willkür.

Not, Gewalt und Unterdrückung, Elend und bittere Armut sind seit Jahrzehnten an der Tagesordnung.

Die Regierung hatte es noch nicht einmal nötig, das Volk vor dem Wirbelsturm zu warnen, es hätte sehr viel weniger Opfer gegeben. Aber sie können tun und lassen, was sie wollen.

Selbst die ausländische Hilfe haben sie größtenteils verweigert oder als ihre eigene ausgegeben, indem sie die Pakete schamlos umetikettierten.

Ganze Schiffe mit Hilfsgütern mussten wieder abdrehen, weil die Junta sie nicht in ihre Häfen ließ.

Die Bewohner wissen das alles sehr gut, sie hören es im Radio.

Aber es herrscht weiterhin weltweites Schweigen über die Zustände dort.

In der Uno könnte man einen übergesetzlichen Notstand berufen. Es wurde vor drei Jahren eine Art Schutzverantwortung der internationalen Gemeinschaft beschlossen, die ist völkerrechtlich jedoch unverbindlich.

Außerdem würden China und Russland ihr Veto einlegen, und wer will sich schon mit diesen beiden Giganten herum zanken.

Und so kobolzt eben auch unser Außenminister artig mit rotem Pionierhalstuch in den Schulen durch China und normalisiert auf diese Weise unsere wirtschaftlichen und politischen Beziehungen.

Ein breites Fundament des Verständnisses auf allen Ebenen sei wieder für unsere Geschäftsinteressen hergestellt, heißt es.

Doch ohne die staatlich chinesische Unterstützung wäre das burmesische Militärregime auf Dauer nicht überlebensfähig.

Die Sache mit Burma wird sich bestimmt bald wieder beruhigen, es gibt ja genug andere Katastrophen.

Mehr als einhunderttausend Tote sind ein Leichengebirge von einem unvorstellbaren Ausmaß, wenn man diese toten Körper alle übereinander legt.

Man sollte es der Welt vor die Füße kippen.

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